„Zugenommen hat sie auch. Bestimmt so ein, zwei Kilogramm.“ Hundehalter Teegen ist glücklich. Glücklich darüber, dass seine „Quitte“ wieder ganz die alte ist. Das sah Anfang Januar ganz anders aus: Die Neunjährige hatte nichts mehr gefressen, sah elend aus, war teilnahmslos. Als „heruntergekommen“ beschreibt der Jäger den jämmerlichen Zustand seines Vierbeiners. Diagnose: Nierentumor. „Ich dachte, sie stirbt oder ich muss sie einschläfern lassen“, erinnert sich der 64-Jährige. Doch dann entschied man sich in der Tierklinik in Wahlstedt zu einer Operation. Ein schwerer Eingriff, der nur durch das Blut eines vierbeinigen Spenders möglich war.
Bisher hat man in der Tierklinik mit einer kleinen Spenderdatei gearbeitet. 20 Hunde sind hier aufgelistet. „Socke“ zum Beispiel, der Berner Sennenmischling, der gerade geduldig auf einem Behandlungstisch sitzt und sich den roten Lebenssaft für einen akuten Notfall abzapfen lässt. Bis ein Spender-Hund in der Klinik ankommt, das Blut abgenommen ist und für den Empfänger bereit steht, können jedoch manchmal Stunden vergehen. Das soll sich nun ändern. In Wahlstedt ist man im Begriff, Schleswig-Holsteins erste Hundeblutbank einzurichten.
„Die Zeit ist reif. In anderen Bundesländern gibt es so etwas schon“, sagt Mathias Kuhn, einer der Klinikchefs. Allerdings funktioniere so eine Hunde-Blutbank anders als eine für Menschen. „Wir planen, in Zukunft immer einen halben Liter von jeder Blutgruppe vorrätig zu haben. Das gibt uns Operations-Sicherheit und verringert Komplikationen“, so Kuhn weiter. Anders als Blutplasma (der flüssige, zellfreie Teil des Blutes), das eingefroren und so über Monate für bestimmte Behandlungen verwendet werden kann, muss die sogenannte Vollblutkonserve innerhalb von 14 Tage verbraucht werden.
In den vergangenen gut zehn Jahren habe die tierische Intensivmedizin einen Quantensprung gemacht, sich immer mehr der Humanmedizin angepasst, so Rodja Voß. Dazu gehören auch Transfusionen. „Sie machen Dinge möglich, an die früher nicht zu denken war“, ergänzt Kuhn. „Bei Tumoroperationen etwa oder hohem Blutverlust. Wenn ein Hund kommt, der vor drei Tagen Rattengift gefressen hat, dann hat er schon so viel Blut verloren, dass es einfach sinnvoll ist, ihm frisches zu geben.“ Helfen und stabilisieren bis die eigentliche Therapie anschlage, entscheide über Leben und Tod.
„Wenn wir 100 Spender hätten, dann brauchte jeder nur einmal im Jahr Blut zu lassen“, schätzt Mathias Kuhn. Zwischen 250 und 500 Milliliter des Lebenssaftes wird dabei abgezapft. Geld gibt es dafür nicht, aber jeder Hund bekommt, da es sowieso dazu gehört, gratis eine klinische Untersuchung. Zudem tut der Aderlass gut, denn er regt das Zellwachstum an, stärkt das Immunsystem und – ganz wie bei den Menschen, die Blut spenden – es gibt zur Belohnung eine leckere Stärkung.
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