Bad Segeberg – Die Riesen-Robinie fällt. Ronny Damerau und Christian Westphal haben die Kettensägen schon beiseite gelegt, gehen eilig ein paar Schritte zurück. Vorsicht! Der 25-Meter-Stamm bewegt sich wie in Zeitlupe. Es knackt, es knirscht. Dann ein dumpfer Schlag. Der Aufprall. Der größte Brocken ist geschafft und liegt genau da, wo die beiden Baumfäller ihn hinhaben wollten. Maßarbeit.
Nicht einmal 100 Meter vom Stadtkern entfernt wurde gestern mitten im Stadtgebiet Tabula rasa gemacht. Zahlreiche Bäume, jede Menge Sträucher im Apothekergarten musste fallen. Damit nicht genug. Gleichzeitig wurde nebenan die alte Gronholz-Garage weggeräumt. Ein hässliches, aber fast schon historisches Gemäuer. Hier wurden schon in den zwanziger Jahren Autos repariert. Jetzt liegen hier nur noch Trümmer. Das große Abräumen im Schneetreiben hat auch einen anderen Effekt. Neue Sichtachsen öffnen sich. Jetzt ist der Blick fast frei auf den Turm von St. Marien. Auf der freigeräumten Fläche soll das kirchliche Seniorenzentrum entstehen. Alte Menschen werden hier wohnen, gepflegt werden. Schade nur, dass dafür auch der über 100 Jahre alte Mammutbaum gefällt werden muss. Wolfgang Feindt vom Kirchenkreis: „Da können wir leider nicht drumherum bauen.“ Insgesamt werden hier 34 Senioren-Wohnungen und 40 Pflegeplätze geschaffen. Feindt: „Allein für die Wohnungen haben wir schon 104 Interessenten.“ Und das alles ohne Werbung. Ab März werde der Kirchenkreis mit den Bewerbern reden. Wenn nichts dazwischen kommt, soll gleich am kommenden Montag mit dem Ausheben der Baugrube begonnen werden. Das hänge aber auch von der Witterung ab, betont Feindt.
Wieder fällt an der Gronholz-Garage polternd Gemäuer in sich zusammen. Der Abrissbagger der Firma Grabowski frisst sich durch mürbes Ziegelwerk. Baggerfahrer Heiko Fronder leistet ganze Arbeit. Es wird sauber sortiert. Das Asbest-Dach ist ohnehin Sondermüll, wurde vorher mit Vorsicht verpackt. Fertig wollen die Männer von Grabowski mit ihrem Zerstörungswerk Ende der Woche sein. Ein Container nach dem anderen wird befüllt.
Gekniffen: Bei der Firma Busche aus Nehms arbeitet im Holz eine überdimensionale Schere, die die kleineren Bäume abschneidet. Eigentlich sollte auch gleich der alte große Mammutbaum fallen. Doch dazu hätte ein Zaun entfernt werden müssen. Der ist aber so fest eingefroren, dass Norbert Busche lieber noch abwartet. „Dass wir den Mammutbaum fällen müssen – ja das tut weh. Der wird sicher 100 Jahre alt sein.“
Auch die Ahornbäume auf dem Parkplatz liegen teilweise schon. Hier und dort ist die Rinde gerissen. „Krank“, urteilt Busche. Die Bäume auf Parkplätzen haben oft keine Chance, die sollte man hier gar nicht erst pflanzen, so Busche. Auch wenn er das Terrain für Bauten vorbereitet, zügig alles an Grün wegräumt, scheint er ein bisschen mit den Bäumen zu leiden. Immerhin: Alles wird verwertet. Die Bäume wandern in den „Hacker“, der die Äste für Heizungen zerkleinert. Busche: „Die Zeiten, als Knickholz auf dem Acker verbrannt wurde sind Gott sei Dank vorbei.“
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