Bad Segeberg – Wird das Rad der Geschichte in Bad Segeberg zurückgedreht? Als es noch keine Fußgängerzone gab, war das Parken auf dem Marktplatz erlaubt. Die CDU will genau das jetzt wieder erlauben. Gleichzeitig sollen auch auf dem Zob Stellplätze ermöglicht werden. Die Not ist groß. Ganz Bad Segeberg lechzt nach Parkplätzen. Der Parkhaus-Abriss und der Stellplatz-Bau mit 90 Plätzen verzögert sich. Am Apothekergarten startet gerade der Bau für das Pflegeheim: 40 Parkplätze sind hier erst einmal futsch. An den Wochenenden sollten nach Meinung der CDU auch der Schulhof der Gemeinschaftsschule am Seminarweg und die Tiefgarage der Dahlmannschule der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
Was meinen die Anderen? Robin-Arne Otten von der Stadtbauverwaltung hat den Ernst der Lage begriffen: „Wir müssen über jeden Vorschlag nachdenken.“ Parkplätze auf dem Zob? „Ich sehe nur die Gefahr, dass es zum Gewohnheitsrecht wird, wenn wir dort für beschränkte Zeit das Parken erlauben. Über den Marktplatz fahren schon jetzt viel zu viele Autos“, so Otten. Die Taxen seien ihm „ein Dorn im Auge“. Ansonsten habe Otten nichts dagegen, wenn in Randbereichen etwa fünf zusätzliche Stellplätze entstünden. Aber nicht auf dem ganzen Platz, „dann parken die ja gleich in der ganzen Fußgängerzone“.
Für Annelie Eick (Grüne) ist die CDU-Idee ein „Relikt aus der Vergangenheit“. Sie finde das „bedenklich“. Man müsse die Fußgängerzone queren, das sei gefährlich, vor allem für Kinder und Alte. Das Beispiel Wahlstedt zeige zudem, dass die Pflasterung durch an- und abfahrende Autos leide. Das verursache Folgekosten, auf denen die Stadt sitzen bleibe. Zwar gebe es in der Stadt ein echtes Parkproblem. Auch die Idee mit dem Zob findet sie „nicht so toll“, da gebe es das Problem der Verkehrssicherheit. Und Stellplätze kostenlos zur Verfügung zu stellen, „kommt gar nicht in Frage“. Überall müssen Gebühren erhöht werden, dann könne man nicht freies Parken erlauben.
Für FDP-Stadtvertreter Hermann Westphal ist jeder Anstoß „willkommen“. Aber wollen die Leute „direkt bei Schwager 'reinfahren“? Gut findet Westphal den Vorschlag, Lehrerparkplätze an den Schulen zum Wochenende der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Jens Lichte (SPD) bringt das auf die Formel: „Der Marktplatz ist kein Parkplatz, sondern ein Marktplatz und das soll auch so bleiben.“ Einzig die CDU-Idee, die Lehrerparkplätze außerhalb der Schulzeiten für alle zu öffnen, hält er für sinnvoll. So habe die Stadt die Garage an der Dahlmannschule für teures Geld saniert. Die sollte für alle nutzbar werden.
Jörn Wohlgehagen (WIR-Vorsitzender): „Eine Superidee“ der CDU sei das. „Jeder Parkplatz zählt.“ Sein Vorgänger bei WIR, Eventmanager Ingo Micheel, findet die CDU-Idee „prima, was den Zob angeht“. Der Marktplatz sei als Parkfläche „zu gefährlich“. Da gebe es ja jetzt schon „Stress mit Radfahrern“. Aber er finde es gut, dass sich die CDU Gedanken mache.
Karin am Wege (Vorsitzende Seniorenbeirat): Wenn die Sicherheit der Senioren nicht gefährdet wird, findet sie es „gut, stadtnah zu parken“. Das Pflaster könnte sich aber als ungeeignet für Rollatoren erweisen. Die Lehrerparkplätze („längst ein Geheimtipp“) seien besser geeignet. Gut wäre, „eine Ecke am Wendehammer des Seminarweges als Stellfläche abzuzweigen“. BBS-Vorsitzende Sigrid Harder glaubt,dass die ohnehin empfindlichen Markt-Pflastersteine leiden werden. „Sonst muss nach der Parkplatzaktion alles neu gepflastert werden“, warnt sie.
Einzelhändler Klaus-Uwe Hogrefe (WIR) freut sich über mehr Parkplätze, aber den Markt müsse man mit Sensibilität sehen. „Da darf kein Wildwuchs entstehen – sonst parken die in der ganzen Fußgängerzone.“ Er könnte sich vorstellen, einen bestimmten Bereich des Marktes abzusperren, damit dort geregelt geparkt werden kann. „Wir werben ja damit, dass wir eine kinderfreundliche Fußgängerzone sind, da kann man nicht den ganzen Marktplatz zuparken – dann hält man uns womöglich für völlig meschugge.“
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