Ab Montag wird die Marienkirche wegen Renovierungsarbeiten bis zum 3. März geschlossen. Grund: Die drei schönen Glasfenster im Altarbereich werden überholt und gereinigt. Außerdem wird die sogenannte Küsterloge demontiert. Hintergrund ist die Absicht, das Querschiff der Kirche neu zu gestalten. Zu diesem Zweck solle es zunächst freigeräumt werden, um dann später zu entscheiden, wie es umgestaltet werden soll, erklärten gestern Propst Dr. Klaus Kasch und die beiden Pastoren an St. Marien, Kristian Lüders und Matthias Voß.
Stück für Stück werden zunächst die zahlreichen Felder der drei großen Glasfenster ausgebaut. Sie sind etwa 100 Jahre alt und weisen eine Vielzahl kleiner Schäden auf. Die Fenster, die nicht aus buntem Glas zusammengesetzt, sondern aus bunt bemaltem Glas bestehen, werden unter der Aufsicht des Experten Dr. Ivo Rauch in der Werkstatt einer Spezialfirma überholt. Um an die Scheiben heranzukommen, müssen zunächst Gerüste aufgebaut werden. Um dabei wiederum den wertvollen um 1515 geschaffenen spätgotischen Altar vor Beschädigungen und Verschmutzung zu schützen, wird er „eingehaust“ – so nennen die Fachleute die massive Verkleidung des Altars, mit der als Erstes begonnen wird. Vor allem vor Schwebstaub müsse der Altar geschützt werden, betonte Architekt Gunnar Seidel.
Seit die drei großen bunten Fenster zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts eingebaut worden sind, hat niemand mehr Hand an sie gelegt. Jetzt muss das aber geschehen. Denn das Wetter hat den filigranen Kunstwerken erheblich zugesetzt. Das Südfenster, das Johannes den Täufer zeigt, ist im schlechtesten Zustand. Architekt Gunnar Seidel: „Wir sind dringend gehalten, von außen eine Schutzverglasung anzubringen, um die Bemalung zu schützen.“ Vor allem an diesem Fenster seien die Gläser überholungsbedürftig. Es müsse teils nachgemalt, ergänzt, neu verkittet und gereinigt werden. Teilweise müssen auch Löcher geschlossen werden, zum Beispiel das „Lüders-Loch“. So wird scherzhaft pastorenintern ein Loch in einer Scheibe bezeichnet, das Pastor Kristian Lüders sehr schön findet und gern erhalten hätte. Warum? Lüders: „Durch das Loch fällt die Sonne so schön ’rein. Vor dem Gottesdienst läuft sie hier durch den Mittelgang und dann über die nördliche Chorwand, wie eine Sonnenuhr.“ Doch entschieden wurde: Das Loch wird geschlossen.
Die „Küsterloge“ an der Seite zum Friedhof, die mit Holz verkleidet ist, an dem mit Namenstafeln an Gefallene des Ersten Weltkrieges gedacht wird, soll rückgebaut werden, um die Symmetrie des Querschiffs wieder herzustellen. Wie der Bereich vor dem Altar zwischen den beiden seitlichen Kirchenzugängen gestaltet werden soll, wird später entschieden. Die Namenstafeln werden nicht weggeworfen, sondern an einer Wand angebracht.
Die Gesamtkosten bezifferte Kasch auf 105 000 Euro. Während der Bauarbeiten finden die Gottesdienste im Gemeindehaus statt. Ort der Passionsandachten bleibt aber die Johanneskapelle. Sie kann von der Friedhofseite betreten werden.
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