Doch die erste Aufregung hat sich gelegt: Zufrieden blöken die 75 Ostfriesischen Milchschafe vor sich hin, zwischen ihnen quietschfidele Lämmer umher. Zufrieden blicken sie um sich und fressen frisches Heu.
„Als das erste missgebildete Lamm geboren wurde, habe ich mir noch nichts dabei gedacht. So etwas kommt immer mal wieder vor. Doch als ein zweites und dann ein drittes Lamm mit ähnlichen Deformierungen auf die Welt kamen, wurde ich stutzig“, erzählte Carsten Mann (45), der gemeinsam mit Amke Wardin (30) die Käsemanufactur auf dem Biohof aufgebaut hatte. Die Beiden setzten sich an den PC und suchten im Internet nach einer möglichen Ursache. „Dann war eigentlich schnell klar, dass es sich nur um den Schmallenbergvirus handeln konnte. Die beschriebenen Missbildungen passten auf unsere Lämmer“, sagte Carsten Mann.
Nachdem der erste Schreck vorbei war, setzte sich Amke Wardin mit dem Kreisveterinäramt in Verbindung und erfuhr, dass ihr Betrieb der zweite in Schleswig-Holstein war, der durch den Virus missgebildete Lämmer meldete. Die Wirbelsäule der betroffenen Lämmer war verkrümmt, der Kopf seitlich nach hinten abgeknickt. Ihre Gelenke waren teilweise überdurchschnittlich dick und an den falschen Stellen versteift, so dass ein Aufstehen oder Trinken für die Neugeborenen unmöglich war. „Die Hälfte fing gar nicht erst an zu atmen. Die anderen konnten wir nur schnell von ihrem Leid erlösen“, sagte Amke Wardin, die bei den meisten Geburten als Hebamme fungierte. „Durch die Missbildungen hatten die Schafe Schwierigkeiten. Sie brauchten Hilfe bei der Geburt. In einem Nachbarort ist sogar ein Mutterschaf bei der Geburt gestorben“, berichtete die junge Frau.
Bis gestern hatte der Betrieb insgesamt 17 missgebildete Lämmer zu verzeichnen. Der mit 63 Lämmern weitaus größere Teil jedoch kam völlig gesund auf die Welt. „Der Verlust ist zwar bitter, aber er wird nicht existenzbedrohend sein“, sagte Amke Wardin. Inzwischen blickt sie wieder positiv in die Zukunft, denn bei keinem ihrer vom Veterinäramt untersuchten Schafe wurde ein aktiver Virus festgestellt. „Sie müssen bereits im Herbst ohne irgendwelche Symptome von der Stechmücke gestochen worden sein, die den Virus übertragen hat. Das Abwehrsystem der ausgewachsenen Schafe ist damit von ganz allein fertig geworden, geschädigt wurden nur die Embryonen im Mutterleib“, erklärte sie. Amke Wardin hofft darauf, dass die Verbraucher darüber aufgeklärt werden, dass der Virus nicht auf Menschen übertragbar ist und dass sich ihre Kunden auch weiterhin den Schafskäse aus eigener Herstellung schmecken lassen.
Der hat inzwischen nämlich eine große Anhängerschar gefunden, vor allem bei Verbrauchern, die Wert auf Bioqualität legen. „Unsere Schafe haben mehr Platz und bekommen nur Futter, das auf der eigenen Fläche garantiert ohne chemische Pflanzenschutzmittel gewachsen ist. Auch Antibiotika oder sonstige Medikamente wird es bei uns nie geben“, schilderte Amke Wardin, die immer wieder neue Käserezepte ausprobiert.
Der Renner aber ist der Frischkäse „Gartenschaf“, den sie mit Gartenkräutern und Knoblauch würzt. Verkauft werden die Produkte des zertifizierten Biolandbetriebes auf Wochenmärkten und in Bioläden.
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