Windkraft als eine der für den Norden wichtigsten Alternativen zur Kernenergie – dagegen hat Hans Peter Sager nichts einzuwenden. Engagiert aber wendet sich der Kreisnaturschutzbeauftragte dagegen, dass die Flughafengesellschaft Hamburg auf dem einst für einen Großflughafen Kaltenkirchen geplanten Gelände 44 bis 55 solcher Anlagen errichten möchte. „Der Kreis hat anderswo genug Flächen“, erklärt Sager.
Die 270 Hektar – auf denen die Hamburger am liebsten als nebenberufliche Windbauer tätig werden möchten – seien ökologisch viel zu wertvoll, betont der Naturschutzbeauftragte in seinem Jahresbericht. Die Moor-, Heide-, Wald- und Sandflächen hätten nicht allein als Naturraum eine Bedeutung, sondern auch erdgeschichtlich und überhaupt geschichtlich: Stets nur dünn besiedelt, sei das Gelände links und rechts der Kreisstraße 48, von der Bundesstraße 4 bis Heidmoor, schon in früheren Zeiten rein als Moor und Heide genutzt worden. Alles das habe seinerzeit geholfen, einen Großflughafen Kaltenkirchen (als Ergänzung zu Fuhlsbüttel) zu verhindern, doch die Flächen gehören seit jenen Zeiten der Flughafengesellschaft Hamburg, die weiterhin eine Option darauf hat. Der Landesnaturschutzbeauftragte Dr. Holger Gerth, erst seit November im Amt, war gestern zur Vorlage der Jahresbilanz von Hans Peter Sager nach Bad Segeberg gekommen. Wie auch Landrätin Jutta Hartwieg verwies Gerth darauf, dass es in der Praxis keinen Sinn ergebe, sich über Windkraft Gedanken zu machen, so lange die Frage genügender Stromleitungen ungeklärt sei. An einem aber ließ der Landesbeauftragte auch keinen Zweifel: „Bis 2015 will Schleswig-Holstein rein rechnerisch zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien auskommen.“ Und neben Biogas und Photovoltaik sei das eben nun einmal als wichtigster Faktor die Windkraft.
Auch Thomas Falck, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, gibt Sager darin recht, dass der Kreis in seinem Kataster genügend Erwartungsflächen für Windkraftanlagen ausweise – auch ohne das ökologisch hochsensible Moorgelände an der Kreisstraße 48. Der Kreis hatte noch 2009 nur 1420 Hektar für neue Windkraftanlagen ausgewiesen (nur 331 Hektar werden bislang genutzt), nach den neuen Anmeldungen der Gemeinden aber sind es nun 2223 Hektar. Die sind zwar wiederum nach Bürgerentscheiden gegen die Windkraft in fünf Gemeinden um einige hundert Hektar zusammengeschmolzen. Sager wie Falck aber sind sich darin einig, dass der Kreis immer noch genügend ausweise, so dass man auf das Moorgelände, das einst Flughafen werden sollte, für diesen Zweck verzichten könne.
„Im dicht bevölkerten Hamburger Umland hat dieses Gelände auch seine Bedeutung als Naherholungsgebiet und als Wasserspeicher für die Orte der Umgebung“, argumentiert Sager. Wegen der nur schwachen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung seien die Flächen auch ein wertvolles Rückzugsgebiet für Seeadler, Kranich, Roten Milan, Habicht, Graugans sowie für das Rotwild.
Das Land, so stellte Thomas Falck deutlich klar, könne auch am Windkataster des Kreises vorbei Genehmigungen für Anlagen erteilen. Allerdings gelte auch das Wort von Innenminister Klaus Schlie, wonach keine Windkraft-Entscheidung gegen den Willen der Bürger getroffen würden. „Und da helfen natürlich die Bürgerentscheide ringsum in der Gegend“, freut sich Hans Peter Sager.
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