Glosse: Aus der analogen Zukunft
Also, wie war das damals mit den Computern, Opa?“, fragt mein Enkel aufmunternd und schraubt die Kappe von seinem Füllfederhalter. „Naja“, sage ich, „man hat damit eingekauft, telefoniert, geschrieben, gespielt, Zeitung gemacht, die Bonität von Staaten bestimmt. . .“ – „Ach, Opa, jetzt mal im Ernst. . .“ – „Ich rede im Ernst! Weißt du, wie der Niedergang Frankreichs begann? Damit, dass im November 2011 ein Computer behauptete, es könne vielleicht seine Kredite nicht zurückzahlen.“ Der Füllfederhalter meines Enkels fliegt übers Papier. Es ist einer von diesen neumodischen Ultraflexstahl-Füllern mit mikromechanisch gesteuerter Einspritzdüse. Das Papier hat eine Mindesthaltbarkeit von 2000 Jahren, wie es heute Standard ist. Ich bin alt, ich bleibe bei meinem Notebook, obwohl es ständig abstürzt. „Kein Wunder“, murmle ich, „das letzte Update gab es vor 30 Jahren.“ – „Was ist ein Update?“, fragt mein Enkel, aber ich bin zu müde, es zu erklären. Er schiebt mich in mein Zimmer. Ich versuche vor dem Einschlafen noch ein bisschen zu surfen: Wenigstens im Internet hat sich seit Jahren nichts verändert.
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