Gemeinsam einsam
Demon's Souls
"Demon's Souls" richtet sich ausschließlich an erfahrene Rollenspieler.
Foto: Namco Bandai Partners
Das Verbindungsstück zwischen den fünf riesigen Schauplätzen ist der "Nexus" - ein Ort zwischen Leben und Tod, in dem Helden immer wieder aufschlagen - freiwillig, um ihre Ausrüstung zu pflegen, unfreiwillig, wenn sie ihr Leben lassen. Hier ist außerdem das Orakel beheimatet, dessen Geisteskräfte und Visionen dafür sorgen, dass die Welt der Menschen nicht wie ein fiktives Kartenhaus in sich zusammenpurzelt.
Dieses Orakel ist es dann auch, in dessen Auftrag der eigene, aus zehn unterschiedlichen Klassen ausgesuchte Charakter (darunter Magier, Templer, Barbar oder Jäger) Level für Level Dämonen bekämpft. Für jeden erledigten Fiesling wandert eine Seele aufs spirituelle Konto - im Schattenreich des Nexus' eine harte Währung, für die es nicht nur bessere Ausrüstung, sondern außerdem bessere Charakterwerte gibt. Fies: Wer im Kampf sein virtuelles Leben verliert, verliert auch seine gesammelten Seelen. Erst wenn man den Ort des Ablebens wieder besucht, erhält man diese zurück - sofern man auf dem Weg dorthin nicht abermals niedergestreckt wird. Dann sind die Seelen verloren. Und das passiert öfter, als einem lieb sein kann. Denn "Demon's Souls" füllt bei jedem Besuch eines Levels den Gegnerbestand wieder auf und wird damit zur echten Sisyphosarbeit.
Dabei setzt From Software auf ein ebenso flottes wie Action-Adventure-ähnliches Kampfsystem: Sämtliche Unholde werden in Echtzeit verdroschen. Außerdem darf sich der Spieler dafür entscheiden, ob er mit viel Schmackes zweihändige Prügel schwingt oder die linke Hand lieber für den Schild reserviert - im Interesse einer stabileren Abwehrhaltung.
Und die Multiplayer-Komponente? Hier fährt From Software die Politik "gemeinsam einsam". Bedeutet: Man darf zwar an den Abenteuern anderer teilhaben, aber nicht jederzeit darin eingreifen. Tatsächlich sieht der Spieler, sofern er online ist, all die anderen Abenteuer, die zur selben Zeit wie er durch die Katakomben krabbeln, als transparente Phantome. Indem er diese Geistererscheinungen beobachtet, kann er - hoffentlich - aus ihren Fehltritten lernen. Entdeckt er etwa einen Blutfleck am Boden, dann darf er hier die Erinnerung an die letzten Momente im Leben des verblichenen Helden aktivieren, damit er nicht denselben, fatalen Fehler begeht. Will er darüber hinaus andere vor ähnlichen Patzern warnen, kann er an Boden und Wänden eine Nachricht hinterlassen - deutlich sichtbar für alle anderen, die denselben Weg gehen.
In das Schicksal anderer Abenteuer eingreifen darf man dagegen nur, wenn die ausdrücklich darum bitten und statt einer Warnung eine Einladungsbotschaft hinterlassen - um etwa gemeinsam einen Endgegner zu erledigen, der für den Einzelnen zu mächtig ist.
"Demon's Souls" füllt zwar nicht das Online-Rollenspiel-Vakuum auf der PS3, aber es bietet trotzdem das fantasievollste Mehrspieler-Konzept seit Langem: Eine hochmoderne Dungeon-Hatz, die Neues bringt und gleichzeitig den Klassikern des Genres Respekt zollt. Genau das Richtige für erfahrende und frustresistente Zocker, die weder übermächtige Gegner noch zeitaufwendiges Aufleveln des eigenen Alter Egos nicht scheuen. Schade nur, dass die Technik nicht annährend hält, was das Spiel verspricht - und sich From Software nicht einen Deut um all jene schert, die nicht schon mit der Muttermilch Erfahrungspunkte aufgesogen haben.
Demon's Souls
Rollenspiel
HASH(0x1298d28)
Atlus
ab 16 Jahren
1-2
Für Fortgeschrittene
25.06.2010
Namco Bandai Partners
ca. 60 Euro
3546430149249
befriedigend
gut
befriedigend
sehr gut
gut
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.
Heute
-13 / -6 °C
aus: NO
Morgen
-14 / -8 °C
aus: S



