Eine Heimat für die Westernreiter
Auf der Ramm-Ranch in Grabau haben sich die Cowboys einen eigenen Salon gezimmert. Dort sind aber andere Pferdefreunde ebenso willkommen.
Nicole Trampert streichelt die betagte Stute „Oda“. Das Pferd hat sein ganzes Leben auf der Ranch verbracht.
Foto: anka
Auf den ersten Blick verrät der Hof am Rande von Grabau nicht seine Eigenart. Doch bei genauerem Hinschauen wird dann deutlich: Westernreiter haben dort ein Domizil.
Vor über 20 Jahren baute Henning Ramm, der den Hof heute zusammen mit seiner Lebensgefährtin Nicole Trampert führt, den Stall auf. Aus kleinen Anfängen ist bis heute eine Anlage mit 38 Pensionspferden geworden. Um den Pferden möglichst artgerechte Haltung zu ermöglichen, stehen sie von Mai bis Oktober durchgängig auf den Weiden. Im Winter kommen sie nachts in den Stall, tagsüber sind sie aber weiterhin an der frischen Luft.
In dem Familienbetrieb hat jeder seine Aufgaben, auch die Kinder. Die Töchter Annabelle und Amélie reiten, so oft sie können. Sohn Till ist mehr an Treckern interessiert.
Das Westernreiten spielt auf der Ranch eine sehr große Rolle, und viele der Reiter schätzen diese Reitweise, die in den USA entstand, als die Cowboys mit Hilfe ihres Pferdes die Rinderherden kontrollierten. Durch die intensive Zusammenarbeit entstand besonderes Vertrauen zwischen Reiter und Pferd, das auch auf der Ramm- Ranch an erster Stelle steht. Die Familie bietet einmal im Jahr einen Rinderkursus an. Dafür leiht ihnen ein Bauer seine Rinder. Nicole Trampert erzählt, dass die Kurse beliebt seien, weil die Reiter dort dem Ursprung ihres Hobbys näher kommen könnten.
Um den Westernreitern optimale Trainingsmöglichkeiten zu bieten, wurde die Reithalle mit Spezialsand ausgestattet. Bei dem sogenannten „Sliding Stop“ rutscht das Pferd durch starkes Bremsen durch den Sand. Der muss deshalb besonders strapazierfähig sein.
Doch nicht nur Westernreiter fühlen sich in Grabau wohl. Auf dem Hof sind alle Pferdeliebhaber willkommen, und jeder hilft und respektiert den anderen. Das sei nicht immer selbstverständlich: „Wir haben ein ganz tolles Verhältnis zueinander und unternehmen viel zusammen“, betont Birgit Falk. Sie kommt mit ihrem Mann Dennis schon seit vielen Jahren auf die Ranch. Nach dem Reiten säßen immer alle zusammen auf dem Hof und würden einen Kaffee trinken. „Das tut gut“, sagt Birgit Falk.
Wenn es mal kälter ist, treffen sich alle im „Saloon“. Mit Billardtisch und Bar macht dieser seinem Namen alle Ehre. Die Reiter haben ihn selber gebaut, weil die Box, in der sich vorher alle trafen, langsam zu klein wurde. Im „Saloon“ werden auch Vorträge gehalten, zum Beispiel über gesunde Pferdehaltung.
Einmal im Jahr packen alle gemeinsam an, um ein Westernturnier zu organisieren. Auch wenn dadurch sehr viel Arbeit entsteht, der Erfolg belohnt alle. Von den Einnahmen wird etwas für den Stall angeschafft. Dieses Jahr wird es wohl ein Pferdesolarium sein. Ein anderes besonderes Ereignis war die Westernhochzeit.
Die Halle wurde im amerikanischen Stil geschmückt, und alle Gäste erschienen in Jeans, Karohemd und Hut. Bis in die Nacht haben sie gefeiert, und die Lebensweise des Westens einmal anders erlebt.
Bei allem mit dabei ist „Bobby“, der Hofhund. Da er schon fast seit der Gründung des Hofes dazu gehört, sind sich alle einig: „Bobby“ ist der eigentliche Chef auf der Ramm-Ranch.
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