Von Michael Thormählen
Bad Oldesloe – Kein Schlechtwetter, kaum Entlassungen, kein Gerede von einer Krise und dazu noch gefüllte Auftragsbücher: Die aktuelle Situation der meisten Handwerksbetriebe spiegelt auch die gute wirtschaftliche Lage in der Region wider – das wurde während des 34. Jahrestreffens der Kreishandwerkerschaft mehr als deutlich. Uns so lobte auch der Kieler Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) den Kreis als das „Kraftzentrum in Schleswig-Holstein“. Stormarn weise wirtschaftliche Daten auf , die „wir eigentlich nur aus Süddeutschland kennen“. Angesichts einer Arbeitslosenquote von nur 3,5 Prozent könne man fast von einer Vollbeschäftigung sprechen. „Und das ist auch ein Verdienst des Handwerkes“, betonte der Spitzenkandidat seiner Partei bei der nächsten Landtagswahl.
Der aktuelle wirtschaftliche Boom im nördlichsten Bundesland, so de Jager weiter, schlage sich erfreulicherweise auch auf dem Arbeitsmarkt nieder: „Ich bin außerdem froh, dass wir eine Diskussion haben, um zu Lohnuntergrenzen zu kommen.“ Auch diese können für das Handwerk von Nutzen sein. Eingehend auf künftige Entwicklungen forderte der Wirtschaftsminister, einem möglichen Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen. Durchaus vorstellbar sei, dass sich Betriebe nicht mehr ihre Mitarbeiter aussuchen können, sondern dass sich „die Mitarbeiter ihre Betriebe aussuchen werden“.
„Handwerk hat goldenen Boden – ein Spruch von damals, der heute fast schon wieder Anwendung findet“, betonte Kreishandwerksmeister Björn Felder bei der Begrüßung der rund 150 Teilnehmer und Gäste in der Oldesloer Festhalle. Einem guten Gesellen stünden alle Türen offen, und auch der Verdienst könne sich sehen lassen. Nach seinen Worten hat auch die Zahl der Ausbildungsverträge deutlich zu genommen. 2011 sei diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Felder kritisierte allerdings die aktuelle Bildungssituation. „Ausfallzeiten und Lehrermangel – so wirklich geändert hat sich nichts.“ Illegale Beschäftigung und Schwarzarbeit bezeichnete der Kreishandwerksmeister als schwere Verstöße gegen die Grundlagen des Sozialstaates: „Aber wie dürfen nicht erwarten, dass wir bei dem Thema Hilfe bekommen.“ Was in anderen Kreisen schon erkannt worden sei, „findet bei uns im Kreis Stormarn kein Gehör. Aktuelle Zahlen zur Arbeitslosenquote oder Wachstum bestätigen dies immer wieder“.
Der Präsident des Wirtschaftsverbandes Handwerk in Schleswig-Holstein, Ulrich Mietschke, wies darauf hin, dass eine dreijährige Berufsausbildung schlechter gestellt werde als das Abitur. Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Bundesregierung seien sich jedoch einig, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung dem gleichen Qualifikationsniveau wie das Abitur zuzuordnen sei. Lediglich die Kultusminister, auch in Schleswig-Holstein, verweigerten sich einer einvernehmlichen Lösung und forderten stattdessen eine höhere Einstufung des Abiturs. Der Vizepräsident der Handwerkskammer Lübeck, Günther Stapelfeldt, beschrieb eine nachhaltige Unternehmenskultur als ein Selbstverständnis des Handwerks. Wenn es in einem Unternehmen brenne, könne man leider oft genug erleben, dass das angestellte Management sich durch den Notausgang verdrücke: „Unsere Inhaber stellem sich dagegen in den Haupteingang und löschen den Brand.“
Zu dem Jahrestreffen, das zusammen mit der Volksbank Stormarn sowie den Raiffeisenbanken Südstormarn-Mölln und Bargteheide ausgerichtet wurde, waren neben den Handwerksmeistern auch Vertreter aus Politik gekommen, unter anderem Kreispräsidentin Christa Zeuke und Landrat Klaus Plöger.
Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Adelbert Fritz, betonte gegenüber den LN, die Auftragslage der meisten Betriebe in Stormarn sei zufriedenstellend. Wegen des milden Winterwetters könne von den Baubetrieben auf den Baustellen im Freien „durchgearbeitet werden“. Entgegen früherer Jahre gebe es für die Beschäftigten kein Schlechtwettergeld, die Mitarbeiter könnten auch jetzt weiterhin beschäftigt werden. „Das kann der Ausgleich für den vergangenen Winter sein, der doch seht lang und hart war. Jetzt können unsere Betriebe wieder aufholen“, sagte Fritz.
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