Bad Oldesloe – Auf erhebliche geänderte Rahmenbedingungen müssen sich die Landwirte in Stormarn einstellen, wenn vom kommenden Jahr an innerhalb der Europäischen Union (EU) über die nächste Agrarreform diskutiert wird. Nach den aktuellen Vorschlägen sollen dann sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen als Areale mit ökologischem Vorrang ausgewiesen werden.
„Wie das umgesetzt werden soll, wissen wir noch nicht. Sieben Prozent mögen für eine Region noch hinnehmbar sein. Für den einzelnen Betrieb sind sie sicher zu viel, wenn sie pauschal vorgeschrieben werden. Gerade in unserer Region mit einer Konkurrenz von Landwirtschaft, Siedlung und Industrie wird dies ein Problem“, betonte der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes, Hans-Joachim Wendt gestern während des 65. Kreisbauerntages in Bad Oldesloe.
Auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerhard Sonnleitner, kritisierte scharf eine pauschal vorgeschriebene Herausnahme von Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion. Weil in Stormarn die Erträge vergleichsweise groß seien, müssten für jeden Hektar, der in diesem Kreis stillgelegt werde, in einer anderen Region bis zu fünf Hektar zusätzlich genutzt werden. Sonnleitner forderte deshalb ein Modell, das den Bauern mehr Flexibilität einräume, um durch sinnvolle ökologische Maßnahmen eine pauschale Stilllegung von Flächen zu vermeiden.
Weil in Stormarn nur ein Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig sei, den Bauern jedoch zwei Drittel der Flächen gehörten, entstehen nach Ansicht Sonnleitners immer wieder Begehrlichkeiten aus anderen Interessengruppen: „Doch die Wertschöpfung aus diesem Eigentum darf nicht gefährdet werden.“ Der Präsident betonte, gerade in der Landwirtschaft komme es vorrangig auf eine Nachhaltigkeit an, weil es sich um eine Branche handele, die Werte auf Dauer über einen Zeitraum von vielen Generationen schaffe: „Und deshalb werden wir auch Bestand haben.“ Wichtig sei, auch an öffentlichen Diskussionen mit Mut und Entschlossenheit teil zu nehmen.
Der Kreisvorsitzende Wendt forderte einen sachlichen und besonnenen Umgang mit aktuellen Themen wie dem Einsatz von Antibiotika. Auch der Bauernverband unterstütze das Ziel, weniger Antibiotika zu wenden. Zu hoffen sei auch, dass möglichst rasch ein Mittel gefunden werde, um den Schmalenberg-Virus bei Schafen und Rindern wirkungsvoll bekämpfen zu können.
Auch er sprach sich dafür aus, bleibende Werte zu schaffen: „Das wollen unsere Bauern auch. Es wird investiert“. Fünf Biogasanlagen seien im vergangenen Jahr fertiggestellt worden. Zudem sollen bereits bestehende Anlagen erweitert werden, um die Wärmenutzung zu verbessern. Rinder- und Schweineställe, fügte Wendt hinzu, würden errichtet werden, und auch die Geflügelhaltung – bisher kaum in Stormarn vertreten – werde ausgebaut. „Dagegen regt sich immer mehr Protest. Teilweise sind unsere Mitglieder sogar bedroht worden. Eine kritische Auseinandersetzung ist vollkommen in Ordnung. Hier aber werden Grenzen überschritten. Bauern fürchten um ihre Existenz, wenn der Bau neuer Ställe verhindert wird“, erklärte der Kreisvorsitzende. Auch in den Außenbereichen müsse das Bauen weiterhin möglich sein, weil es in den Dörfern keinen Platz mehr gebe.
Zum Kreisbauerntag waren 450 Gäste in die Stormarnhalle nach Bad Oldesloe gekommen, unter anderem Schleswig Holsteins Finanzminister Rainer Wiegard, Stormarns Landrat Klaus Plöger, der Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary und der Propst des Kirchenkreises Plön-Segeberg, Dr. Klaus Kasch. Für die passenden Klänge sorgte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Hoisdorf.
Der Bauernverband zählt kreisweit etwa 1100 Mitglieder an, die jeweils zu einem Drittel in der Hauptsache im Ackerbau, in der Milchviehwirtschaft sowie in der Schweinezucht tätig sind. Die durchschnittliche Größe eines Hofes liegt bei 50 Hektar.
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