Bad Oldesloe – Das Modelabel „Gerry Weber“ war eines der ersten Unternehmen, das die kleinen Microchips mit der neuen RFID-Technologie (radio-frequence-identification) in die Etiketten seiner Kleidungsstücke einnähen ließ. Nun sollen auch die gut 41 000 Medien der Stadtbücherei mit den flachen Datenchip-Aufklebern ausgerüstet werden.
Bisher wurden die Bücher und CDs von den Büchereimitarbeitern eingescannt und zusammen mit dem Leseausweis des Kunden verbucht. Das soll mit der neuen Technik entfallen. Künftig soll der Büchereikunde an zwei „Selbstverbuchungsterminals“ selbst dafür sorgen, dass alles ordnungsgemäß gebucht wird. Wer den Dreh dabei nicht sofort raus hat, muss allerdings damit rechnen, dass spätestens an der Ausgangstür der Bücherei die Alarmglocken schrillen – so wie im Kaufhaus, wenn die Verkäuferin vergessen hat, das Sicherungsetikett aus einem Kleidungsstück zu entfernen.
Dazu jedoch soll es nach Ansicht von Jens Geisler, dem Leiter der Stadtbücherei, gar nicht erst kommen. „Das System ist total einfach und simpel“, ist er überzeugt. Zudem seien immer Büchereiangestellte in der Nähe, die weiterhelfen, wenn sich jemand noch nicht auskennt. Von dem neuen System hätten sich die Mitglieder des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses bei einer Exkursion nach Hamburg in die Bücherhalle Alstertal überzeugen können. „Dort war eine Mutter mit einem vierjährigen Kind. Es hat die Bücher an dem Buchungsterminal durchgezogen. So einfach war das“, so Geisler.
Die Stadtbücherei ist mit ihren rein rechnerisch 5,2 Mitarbeitern knapp besetzt. „Von den Entleihzahlen her sind das genau 1,3 Mitarbeiter zu wenig“, erklärte Hauptamtsleiter Malte Schaarmann, zu dessen Aufgaben auch die Stadtbücherei gehört. Damit das kleine Team die Arbeit überhaupt bewältigen kann, hatte die Bibliothek im November ihre Öffnungszeiten reduziert. Statt um zehn Uhr öffnen sich die Türen seitdem erst um 11 Uhr. „Das wollen wir so schnell wie möglich wieder rückgängig machen“, so Schaarmann.
Zunächst aber bleiben die Türen ganz geschlossen – nämlich vom 29. Februar bis zum 14. März, wenn Mitarbeiter der Firma „easycheck“ die 41 000 Medien der Stadtbücherei mit den neuen Chips versehen, die als Aufkleber auf den Innendeckeln angebracht werden. „Danach haben wir noch drei Wochen Nachkonvertierung eingeplant. Was dann noch nicht erledigt ist, werden wir selbst auf RFID umstellen“, so Geisler.
Für den Büchereichef waren gleich mehrere Gründe für die Wahl des neuen Systems ausschlaggebend: Die alte Software verschwindet vom deutschen Markt und wird nicht mehr gepflegt. Kapazitäten seiner Mitarbeiter werden für andere Aufgaben frei, zudem würden sie von den immer gleichen Bewegungen am Scanner entlastet – die seien nämlich schädlich für die Gelenke.
63 000 Euro lässt sich die Stadt die neue Errungenschaft der Technik kosten, die das Blut der Datenschützer eher in Wallung bringt als Zustimmung auslöst. Sie vermuten, dass Unternehmen die Chipdaten verwenden könnten, um den Kunden noch gläserner zu machen, als er es bereits ist. Das jedoch weisen Malte Schaarmann und Jens Geisler weit von sich. „So etwas gibt unsere Software gar nicht her. Es wird nichts gespeichert, was datenrechtlich relevant ist“, versichert der Büchereileiter.
Lediglich vier Daten würden mit RFID erfasst: die Leserausweisnummer, der Ausleihstatus des Buches, ein Barcode und die eigene Identifikation des Chips selbst. „Es werden nur die nötigsten Daten erfasst“, versichert Jens Geisler, der nach der Umstellung wieder auf die alten Öffnungszeiten setzt: montags und dienstags von 10 - 13.30 Uhr und 15 - 18 Uhr, donnerstags von 10 -19 , freitags von 10 - 16 und sonnabends von 10 - 13 Uhr.
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