Stellen sie sich vor: Es ist Tempolimit und keiner hält sich dran. Das gibt es. In Bad Oldesloe. Nachdem ein mit Begeisterung ausgewertetes Lärmgutachten in der Kreisstadt ergab, dass nachts die Autos in den viel befahrenen Bundesstraßen 75 und 208 zu viel Lärm machen, verhängte die Verwaltung in der Lorentzenstraße, in der Ratzeburger Straße und im Berliner Ring kurzerhand ein Tempolimit. Zwischen 22 und 6 Uhr dürfen Autofahrer dort nur noch 30 fahren.
Doch kaum einer hält sich dran. Alle wissen: Da kontrolliert sowieso keiner. Die Anwohner sind frustriert, weil’s nichts geworden ist mit der versprochenen Nachtruhe und beschweren sich. Nicht ein einziges Mal haben die Polizei oder die Kreisverwaltung mit ihren Blitzer- und Radarwagen nachts gemessen, ob sich jemand an Tempo 30 hält. Die Polizei sagt, dort könne man überhaupt nicht beweissicher messen, weil die entweder die Strecken zu kurz oder die Beschilderung nicht korrekt sei.
Der Landesbetrieb Straßenbau in Lübeck, für die Schilder an Bundesstraßen zuständig, verweist darauf, dass innerorts die Stadtverwaltung für die Beschilderung zuständig sei. Da die Zeichen nicht an einem Unfallschwerpunkt, sondern als Folge des Lärmgutachtens aufgestellt worden sind, hat es auch nicht die übliche Verkehrsschau mit Vertretern von Straßenbau, Polizei und Stadtverwaltung gegeben.
Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary sagt, technisch sei alles korrekt dort. Er möchte aber erzieherisch wirken und lässt, da Polizei und Kreis das Tempo nicht kontrollieren, kurzerhand eine von drei elektrischen Anzeigetafeln aufstellen, die den vorbeifahrenden Autofahrern zeigen, wie schnell sie sind. Derlei Tafeln stehen in vielen Dörfern. Die in Bad Oldesloe hat nach Angaben von von Bary die Björn-Steiger-Stiftung der Stadt überlassen.
Im vergangenen Juni ist das nächtliche Tempolimit verhängt worden, im kommenden will die Stadtverwaltung bei den Anliegern ausloten, was es gebracht hat. Einige Anwohner können diese Frage schon beantworten, bevor sie überhaupt gestellt worden ist: Gar nichts. ja
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