Paris – Auf dem Court 2 von Roland Garros schien zwar die Sonne. Über Julia Görges hatten sich aber dunkle Wolken zusammengezogen. 2:6, 1:3 und 30:40 lag die Bad Oldesloerin gegen die starke Tschechin Lucie Safarova zurück. Der erstmalige Weg in die dritte Runde der French Open in Paris schien verbaut. „Doch dann habe ich mir gesagt, he Jule, das hier ist ein Grand-Slam-Turnier, reiß' dir gefälligst den Arsch auf“, erzählte Görges, nachdem sie das Match gedreht und noch mit 2:6, 7:5, 6:2 gewonnen hatte.
Görges, in der Weltrangliste auf Rang 18, halfen neben der deutlichen Selbstansprache auch ein paar Spickzettel. Seit dem Masters-Turnier in Miami, wo sie bereits in der ersten Runde gescheitert war, hat sie sich eine Kladde angelegt, in der sie sich Lösungsvarianten für bestimmte Situationen notiert. Bislang hatte das kleine Büchlein noch nicht zum Einsatz kommen müssen, doch gegen die Nummer 37 der Welt konnte die Schleswig-Holsteinerin ein paar Denkanstöße gut gebrauchen.
„Ich war am Anfang irgendwie nicht richtig fokussiert und bin nicht richtig reingekommen“, meinte Görges zu ihrem schwachen Start. 15 leichte Fehler leistete sich die Bad Oldesloerin im ersten Durchgang, in dem sie zweimal ihr Service abgeben musste. Zudem kamen nur 27 Prozent ihrer ersten Aufschläge. Auch im zweiten Satz war die Fehlerquote weiter hoch. Doch nachdem Görges die kritische Phase im fünften Spiel überstanden hatte, biss sie sich in die Partie hinein und nahm der Tschechin den Aufschlag zum 4:4 ab.
„Ich habe sie mehr in Bedrängnis bringen können, und irgendwann war die Zeit für ein Break reif“, berichtete Görges. Die Faust geballt, sich selbst mit lauten „Come on“-Rufen anfeuernd, so signalisierte Görges ihrer Gegnerin, dass sich das Blatt nun wenden würde. Mit 7:5 gewann sie den zweiten Satz, nahm ihrer Kontrahentin gleich zu Beginn des entscheidenden Durchgangs wieder den Aufschlag ab und ließ sich auf dem Weg in die dritte Runde danach nicht mehr aufhalten. „Der Abschied war ganz, ganz nahe. Ein paar Punkte fehlten da nur“, gab die 22-Jährige zu, die nun auf die Französin Marion Bartoli (6:4, 6:7, 6:2 gegen Olga Goworzowa/Bulgarien) trifft. Im Doppel steht Görges zusammen mit Andrea Petkovic nach dem 6:4, 6:3 über Akgul Amanmuradova/Darya Kustova (Usbekistan/Weißrussland) in der zweiten Runde.
Für die zweite Schleswig-Holsteinerin, Mona Barthel, war dagegen in der zweiten Runde Endstation. Die 20-Jährige vom Bundesligisten TC Rot-Weiss Wahlstedt unterlag 0:6, 6:7 gegen die Russin Anastasia Pawljutschenkowa. Im zweiten Satz führte Barthel schon 5:3. „Zwei Punkte haben leider gefehlt“, sagte Barthel. „Ich hätte gerne noch einen dritten Satz gespielt. Wer weiß, wie der ausgegangen wäre. Aber letzten Endes hat Anastasia die wichtigen Punkte geholt.“
Heute fliegt Barthel von Paris zurück nach Hamburg und wird am Sonntag (11 Uhr) für Wahlstedt in der Bundesliga gegen Bocholt spielen. Rückblickend meinte sie: „Ich bin mit meinen Leistungen bei den French Open sehr zufrieden.“ 25 000 Euro und 160 Weltranglisten-Punkte sind ihr sicher. In der Weltrangliste dürfte sie von derzeit Rang 187 auf rund 140 klettern.
Das dritte „Nordlicht“, Tobias Kamke, spielt heute in der zweiten Runde gegen Victor Troicki aus Serbien. Die Partie des Lübeckers ist als viertes Spiel nach 11 Uhr angesetzt.
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