Eine 38 Jahre alte Frau war am Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus an der schweren Komplikation HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom, gestorben, sagte eine Krankenhaussprecherin am Samstagmorgen. „Die Frau wurde einige Tage zuvor bereits in einem sehr kritischen Zustand bei uns eingeliefert.“
Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) berichtete am Samstagabend, dass auf seinem Campus Lübeck eine 86-jährige Patientin an den HUS-Folgen gestorben sei. „Tragisch ist, das auch der Ehemann mit gesicherter EHEC-Infektion aufgenommen werden musste“, sagte UKSH-Sprecher Oliver Grieve. In einem Krankenhaus im Kreis Herzogtum Lauenburg starb am Samstag eine 84 Jahre alte Frau an der schweren Komplikation HUS, wie der Sprecher des Kieler Gesundheitsministeriums berichtete.
Damit sind in Deutschland bisher mindestens zehn Menschen durch den gefährlichen Darmkeim gestorben. Erst am Freitag hatte sich die Zahl der Infektionen mit dem aggressiven Durchfallerreger in Schleswig-Holstein auf 248 mehr als verdoppelt. Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr – mehr als doppelt so viele wie am Vortag (109). Wie Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) nach einem Besuch des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel weiter mitteilte, ist auch die Zahl der sogenannten HUS-Fälle mit lebensgefährlichen Erkrankungen auf inzwischen 73 gestiegen. Am Donnerstag waren es 30 gewesen. Bei HUS-Fällen, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), gibt es oft Nierenversagen. Nach Einschätzung Gargs ist der Höhepunkt der Krankheitswelle noch nicht erreicht, da bis zu zehn Tage zwischen einer Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit liegen könnten. Er gehe außerdem davon aus, dass es außer den spanischen Salatgurken vom Hamburger Großmarkt noch weitere Infizierungsquellen geben müsse. Der Minister appellierte an die Bürger, weiter sorgsam auf Hygiene zu achten. „Ein laxer Umgang ist nicht angebracht.“ Dafür habe er kein Verständnis, zumal auf der anderen Seite Ärzte und Krankenschwestern bis zur Erschöpfung arbeiteten. Garg zeigte sich tief beeindruckt vom Engagement der Klinikmitarbeiter: „Das ist wirklich übermenschlich, was hier geleistet wird.“ Manche seien Tag und Nacht im Einsatz, andere hätten ihren Urlaub abgebrochen. Das UKSH habe in Kiel zwei Patienten aus Hamburg übernommen, Lübeck habe auf Anfrage vier Aufnahmen als möglich bezeichnet. Bundesweit gibt es jetzt rund 1000 EHEC-Verdachtsfälle, allein in Hamburg etwa 400 Patienten, 200 in Niedersachsen.
Spanische Behörden haben nach Auskunft der EU-Kommission vorübergehend zwei Betriebe im spanischen Almeria und Malaga geschlossen. Sie sollen für die Verbreitung der mit den gefährlichen EHEC-Keimen befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich sein, teilte die Kommission in Brüssel mit. Boden-, Wasser und Produktproben seien genommen worden. Die Untersuchungen dauern an. Zudem werde eine weitere mögliche Quelle – Gurken aus den Niederlanden oder aus Dänemark – untersucht.
EHEC bringt Bauern in Existenznot. „Wenn die Kaufzurückhaltung so weitergeht, wird der Schaden noch höher werden als zwei Millionen Euro pro Tag“, sagte gestern der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. Ob die Bauern finanzielle Hilfen bräuchten, sei derzeit noch offen. „Wir müssen endgültig wissen, woher das EHEC-Bakterium kommt“, fügte Sonnleitner hinzu.
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