Bei der Hauptversammlung des größten deutschen Handelskonzerns am Freitag in Düsseldorf versprach der Vorstandsvorsitzende zugleich, die schwächelnde SB-Warenhaustochter Real möglichst schnell in die Gewinnzone zu führen. «Die großen Wachstumspotenziale liegen für uns heute in Osteuropa und Asien». Das Wachstumstempo in diesen Weltregionen werde noch weiter verschärft.
Unterdessen kritisierten zahlreiche Kleinanleger Cordes und den Großaktionär Haniel heftig wegen der Anhäufung von Machtfülle und unklarer Ziele. Gerügt wurde vor allem die Doppelfunktion von Cordes als Vorstandsvorsitzender der Metro und Duisburger Haniel-Gruppe. «Eine solche Machtkonzentration ist in Deutschland ganz selten anzutreffen», sagte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). «Meine Arbeitskraft wird ganz eindeutig der Metro gewidmet», betonte Cordes. Zudem habe sich der Aufsichtsrat einstimmig für seine Bestellung ausgesprochen.
Cordes war im November vergangenen Jahres vom Posten des Aufsichtsratschefs bei Metro in den Vorstand gewechselt, nachdem der damalige Vorstandschef Hans-Joachim Körber sein Amt niedergelegt hatte. Wenige Monate zuvor hatte Haniel seinen Anteil an der Metro auf 34 Prozent aufgestockt. Zu den Hintergründen wollte Cordes keine Angaben machen.
Werttreiber des Konzerns sollen auch unter der Führung des neuen Metro-Chefs die Großhandelsmärkte Cash & Carry und die Elektronikfachmärkte Media Markt Saturn bleiben. Für letztere hält sich der Metro-Chef auch einen Börsengang offen, falls es mittel- oder langfristig Konsolidierungserfordernisse gebe. Real werde in Osteuropa weiterhin expandieren.
Rund 60 Prozent des Umsatzes erzielt Metro mittlerweile im Ausland, beim Ergebnis tragen die ausländischen Standorte sogar 72 Prozent bei. 2007 hatte der Handelsriese mit weltweit rund 281 000 Beschäftigten 64,3 Milliarden Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis (EBIT) in Höhe von 2,1 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Die SB-Warenhaus-Tochter Real will Cordes für die Verbraucher in den kommenden Jahren wieder attraktiver machen. Die Metro-Tochter müsse Marktanteile in dem Segment zurückgewinnen und die Ertragskraft deutlich steigern. Das traditionsreiche Kölner Warenhaus Kaufhof gehört indes nicht mehr zum Kerngeschäft und soll über kurz oder lang verkauft werden. Alle Optionen würden derzeit geprüft, es gebe keine Verhandlungen und keinen Verkaufsdruck, betonte Cordes.
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