«Amerika, dies ist unsere Zeit, dies ist unsere Chance, eine neue politische Seite aufzuschlagen», sagte er vor 20 000 jubelnden Anhängern am Dienstagabend (Ortszeit). US-Präsident George W. Bush, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten kann, gratulierte Obama. Sein Durchbruch zum ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten sei eine «historische Errungenschaft» für die USA.
Obama - Sohn eines Kenianers und einer weißen Amerikanerin - wird aller Voraussicht am 4. November gegen den designierten republikanischen Kandidaten John McCain antreten. Der 71-jährige Vietnam-Veteran nannte Obama in einer ersten Stellungnahme einen «beachtlichen Gegner», sprach ihm aber zugleich die Kompetenz ab und kündigte einen harten Wahlkampf an.
Einen Tag nach seinem Vorwahl-Sieg kündigte Obama einen harten Kurs gegen den Iran an. «Die Gefahr aus dem Iran ist realistisch, und mein Ziel wird es sein, diese Gefahr zu eliminieren», sagte Obama bei einer Konferenz der amerikanischen pro-Israel-Lobby (AIPAC). «Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um nukleare Waffen im Iran zu verhindern.» Ähnlich äußerte sich auch Clinton vor dem Forum.
Zugleich gab es weitere Spekulationen, wonach Clinton für das Amt des Vize-Präsidenten kandidieren könnte. Allerdings sprach Clinton (60) in der Wahlnacht Obama zunächst nicht den Sieg zu und trat auch nicht offiziell als Kandidatin zurück. Vor einer Entscheidung über ihre politische Zukunft wolle sie sich zunächst mit ihren Vertrauten beraten. «Es ist eine lange Kampagne gewesen, und ich werde heute Abend keine Entscheidung treffen.»
Obama hatte bereits am Dienstag mit den letzten Vorwahlen in South Dakota und Montana die notwendige Schwelle von 2118 Delegiertenstimmen für den Nominierungskonvent seiner Partei übersprungen. Bis zum Mittwoch hatten weitere «Superdelegierte» ihm seine Unterstützung zugesagt. «Superdelegierte» sind hohe Parteifunktionäre, die in ihrer Entscheidung nicht an Weisungen ihrer Basis gebunden sind. Laut US-Fernsehsendern sammelte er bis Mittwoch 2157 Stimmen - Clinton lediglich 1926. Offiziell werden die Delegierten bei dem Nominierungsparteitag Ende August in Denver ihren Kandidaten küren.
«Heute Abend geht eine historische Reise zu Ende, eine neue beginnt - eine Reise, die neue und bessere Zeiten für Amerika bringen wird. Heute Abend kann ich vor euch treten und euch sagen, dass ich der Kandidat der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl sein werde», rief Obama in seiner «Siegesrede» über 20 000 Anhängern in St. Paul (US-Bundesstaat Minnesota). In einer leidenschaftlichen Ansprache machte er deutlich, dass es eine seiner wichtigsten Aufgaben sein wird, die US-Truppen aus dem Irak nach Hause zu holen. Obama ist der erste Schwarze, der für eine große Partei mit tatsächlichen Aussichten in das Rennen um das Weiße Haus geht. Bereits 1988 und 1992 war die Afro-Amerikanerin Lenora Fulani als unabhängige, aber völlig aussichtslose Kandidatin angetreten.
Obama rief zugleich eindringlich zur Einheit der Partei auf und lobte in seiner Rede seine Konkurrentin Clinton. «Lasst uns beginnen, zusammenzuarbeiten und uns zu einen, um gemeinsam die Zukunft Amerikas zu verändern», sagte Obama. Er gratulierte Clinton zu der «Art und Weise, wie sie diese Wahlkampagne geführt hat». Sie sei eine «politische Führerin, die Millionen von Amerikaner inspiriert».
Clinton, die noch zum Jahresbeginn als klare Favoritin galt, signalisierte in New York, dass sie weiterhin eine wichtige politische Rolle spielen will. «Die fast 18 Millionen Menschen, die für mich gestimmt haben, müssen gehört und gesehen werden.» Zugleich deutete sie erneut an, dass sie sich für die bessere Kandidatin hält.
US-Medienberichten zufolge erklärte sich die Senatorin aus New York aber bereit, für den Posten der Vizepräsidentin zu kandidieren. Es habe bereits erste Kontakte zwischen den Lagern der beiden Politiker gegeben. Obama habe Clinton ein direktes Gespräch angeboten, dessen Zeitpunkt und Ort sie bestimmen könne.
Führende Politiker der Demokraten hatten immer wieder erklärt, nach dem langen und streckenweise heftigen Vorwahlkampf gehe es jetzt darum, die Einheit der Partei zu sichern. Anhänger Obamas sehen eine Vizepräsidentschaft Clintons jedoch skeptisch, weil sie einen zu großen Einfluss ihres Ehemannes und Ex-Präsidenten Bill Clinton fürchten.
Am Dienstag fanden auch die beiden letzten Abstimmungen des Vorwahlkampfes statt, der genau vor fünf Monaten in Iowa begonnen hatte. In South Dakota konnte sich Clinton mit 55 Prozent der Stimmen durchsetzen, in Montana Obama nach Auszählung fast aller Stimmen mit 57 Prozent.
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