Die Behörde kündigte strengere Vorschriften für Börsenwetten auf fallende Kurse an und startete eine Untersuchungswelle bei Banken, Händlern, Anlageberatern und Hedge-Fonds. Der Verdacht der Börsenpolizei: Bei unter Druck geratenen Aktien könnten gezielte falsche Gerüchte und missbräuchliche Handelspraktiken einige der jüngsten spektakulären Kurseinbrüche mit ausgelöst haben.
Für den Handel mit den zuletzt dramatisch abgestürzten Titeln der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie von 17 Investmentbanken und Finanzhäusern sollen vorerst verschärfte Regeln gelten. Das kündigte SEC-Chef Christopher Cox am Dienstag vor dem Bankenausschuss des US-Senats in Washington an. Die Behörde will zudem noch strenger kontrollieren, ob Wall-Street-Firmen illegal von bewussten Fehlinformationen und Gerüchten profitierten.
Die SEC verlangte Medienberichten zufolge von Dutzenden Banken und Hedge-Fonds Auskunft über bestimmte Aktiengeschäfte. Ins Visier der Behörde geraten ist laut der Finanznachrichten-Agentur Bloomberg auch die Deutsche Bank. Im Fokus der SEC stehen der spektakuläre Absturz der inzwischen verkauften Investmentbank Bear Stearns vom Frühjahr sowie der aktuelle Kurseinbruch bei Lehman Brothers.
Nach Börsenskandalen waren in der Vergangenheit immer wieder neue Vorschriften erlassen worden. Die Aufsicht kommt dabei jedoch laut Experten den immer neuen Praktiken an den Finanzmärkten nicht schnell genug hinterher. So beklagten Kritiker immer wieder, dass Spekulanten durch Wetten auf fallende Kurse die Notierungen erst massiv nach unten treiben. Das Volumen dieser Geschäfte liegt derzeit an den Börsen auf Rekordniveau.
Die SEC nimmt nun besonders die immer mehr verbreitete Praxis der Leerverkäufe (shortselling) ins Visier. Dabei verkaufen Investoren Aktien, die sie gar nicht besitzen, sondern sich von Dritten gegen Gebühr ausleihen. Sie hoffen auf fallende Kurse, um die Titel billiger zurückerwerben und dem Ausleiher wiedergeben zu können. Die Differenz zwischen den Preisen streichen sie als Gewinn ein.
Bisher werden für solche Geschäfte laut SEC in einigen Fällen dieselben Aktien gleich mehrfach «virtuell» an einen oder mehrere Investoren verliehen. Diese Praxis habe die Kursstürze beschleunigt. Sie soll nun zunächst für einige Titel ausdrücklich untersagt werden. Die SEC prüft aber auch solche Beschränkungen für alle Aktien. Dadurch soll der Umfang der Leerverkäufe sinken.
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