Der «Spiegel» hingegen schreibt, die Aktion sei gescheitert, weil die Seeräuber das Containerschiff zu schnell zu ihrem Stützpunkt in der Bucht von Harardere an der somalischen Küste brachten. An Bord der «Hansa Stavanger» sind fünf deutschen Seeleute.
Beide Nachrichtenmagazine berichten, dass ein Kommando der Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei bereits auf dem Weg nach Kenia gewesen sei beziehungsweise bereitgestanden habe. Das Auswärtige Amt, in dem ein Krisenstab an der Freilassung der Entführten arbeitet, wollte zu den Berichten keine Stellungnahme abgeben. Eine Sprecherin sagte am Freitag auf Anfrage lediglich: «Der Krisenstab bemüht sich weiter intensiv um eine Lösung des Falles.»
Das Containerschiff mit insgesamt 24 Besatzungsmitgliedern war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste von Seeräubern gekapert worden. Es fährt für die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg. Das Schiff wurde 1997 gebaut, ist 170 Meter lang und kann 1550 Standardcontainer laden.
Laut «Spiegel» ist für die Befreiung deutscher Geiseln im Ausland die Bundespolizei zuständig. Sowohl sie wie auch die Bundeswehr, die in kriegerischen Situationen zum Einsatz kommt, hätten spezielle Einheiten für das Entern von gekaperten Schiffen und die Befreiung von Geiseln. Die deutsche Fregatte «Mecklenburg-Vorpommern» sei nach dem Piratenüberfall zwar bis auf Sichtweite an die «Hansa Stavanger» herangefahren, habe aber abdrehen müssen, weil die Piraten gedroht hätten, die Besatzung zu töten.
Das Schiff liege nun in Harardere neben anderen gekaperten Schiffen vor Anker. Es werde von der «Mecklenburg-Vorpommern» aus sicherer Entfernung beobachtet. Dem «Spiegel»-Bericht zufolge meldeten sich die Piraten am vergangenen Dienstag telefonisch bei der Hamburger Reederei und forderten ein Lösegeld in Millionenhöhe.
Laut «Focus» wurde am Abend der Entführung in einer Telefonkonferenz zwischen Auswärtigem Amt, Innen-, Justiz- und Verteidigungsministerium entschieden, die Geiselnahme mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu beenden. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe sich bereiterklärt, «alles auf meine Kappe zu nehmen». Unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise schreibt das Magazin weiter, es sei dann aber zum Streit gekommen, weil die Marine die Einsatzführung beansprucht habe. Schäuble habe widersprochen: Die Befreiung deutscher Geiseln sei Sache der Bundespolizei und damit der GSG 9. Die Marine müsse Hilfe leisten.
Hamburgs Justizsenators Till Steffen (Grüne) forderte am Freitag, einen internationalen Gerichtshof zur Verfolgung von Piraterie einzurichten. Deutschland hat bislang in zwei Fällen festgenommene Piraten an Kenia überstellt, wo ihnen der Prozess gemacht werden soll. «Auf Dauer ist es keine Lösung, das Problem bei der kenianischen Justiz abzuladen», sagte Steffen. «Besonders die Idee des Verbandes Deutscher Reeder, diesen Gerichtshof in Hamburg beim Internationalen Seegerichtshof aufzubauen, sollten wir zügig prüfen.»
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