Roth (dpa) - Normann Stadler sieht nur noch Roth. «Ich bin hier, um zu gewinnen. Wenn bei mir am Sonntag alles passt, wird es für die anderen sehr, sehr schwer», sagt der Hawaii-«König» von 2004 und 2006 vor seinem Start beim Langdistanz-Challenge im fränkischen Triathlon-Mekka Roth.
Beim Ironman vor einer Woche in Frankfurt/Main war er nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Veranstalter nicht im Rennen. Aber in Roth will der 37 Jahre alte Mannheimer nun seine ganze Stärke ausspielen. Die Geburt von Armand Mitte Juni gibt dem Profi dabei zusätzliche Motivation. «Den größten Triumph habe ich mit seiner Geburt gefeiert. Ich will den Kleinen mit einem Sieg beschenken», erzählt Stadler. «Ich habe alles erreicht. Aber ein gesundes Kind hatte mir in meinem Leben noch gefehlt.» Die Lebensfreude ist endgültig zurückgekehrt, nachdem Stadler und seine Frau Sonja in den vergangenen 18 Monaten zwei Kinder verloren hatten.
Am 12. Juli auf der Distanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,125 Kilometer Laufen will er alles das nachholen, was ihm nach seinen Weltmeistertiteln beim Ironman auf Hawaii sportlich entgangen ist. Dabei erlebte der «Eisenmann» beim ehemaligen Ironman Europe in Roth bisher nur Alpträume. Viermal war er bis 2001 dort am Start. Durch kam er nie. Zuletzt stoppte ihn beim Schwimmen ein Tritt in den Bauch. Er verlor kurz das Bewusstsein und musste aufgeben. Im Krankenhaus wurden Magenblutungen diagnostiziert, die ihn länger außer Gefecht setzten. Stadler sagte Roth Adieu und suchte danach vergeblich beim Ironman Frankfurt sein Glück.
«Ich habe eigentlich keine guten Erinnerungen an Roth», gibt Stadler zu. «Aber ich bin mit mir im Reinen.» Im Frühjahr wechselte er den Trainer, bestritt «weniger Wettkämpfe», brachte «aber mehr Qualität rein». Im Mai gewann er den Mitteltriathlon in Maxdorf zum vierten Mal - mit sieben Minuten Vorsprung. «Die Form stimmt. Das war ein kleines Ausrufezeichen», meinte Stadler. Aber die Konkurrenz unter den mehr als 2500 Startern lässt nicht auf sich warten.
Vorjahressieger Patrick Vernay betonte: «Stadler ist extrem stark auf dem Rad. Ich muss und werde stark im Kopf sein.» Das nimmt auch Weltmeisterin Chrissie Wellington für sich in Anspruch. Die Britin gewann am 14. Juni den (Halb-)Ironman in Kansas und blieb bei ihrem Sieg beim Ironman Australia im Frühjahr mit 8:57:10 zum zweiten Mal unter den Neun-Stunden-Schallmauer. 2008 siegte sie überlegen beim Ironman Germany in Frankfurt und setzte sich in Kona/Hawaii die Krone zum zweiten Mal nacheinander auf. «Ich will so lange so schnell wie möglich sein», sagte die 32-Jährige, die erst 2004 mit dem Triathlon auf der olympischen Distanz begann.
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