Heimsieg verpasst und doch gewonnen: Sebastian Vettel hat mit dem zweiten Platz auf dem Nürburgring das Rennen um den Formel-1-Titel noch spannender gemacht. Der Heppenheimer musste beim turbulenten Eifel-Gastspiel nur seinem Red-Bull- Teamgefährten Mark Webber den Vortritt lassen.
Trotz einer Durchfahrtstrafe konnte er in seinem 130. Rennen zum ersten Mal einen Grand Prix für sich entscheiden. «Er war heute unschlagbar und hat es absolut verdient. Ich hätte hier gern gewonnen, aber Mark war einfach schneller», bekannte der um 9,252 Sekunden geschlagene Vettel.
WM-Spitzenreiter Jenson Button konnte wie schon in Silverstone drei Wochen zuvor nicht mit dem Red-Bull-Duo mithalten. Der Brite belegte beim Großen Preis von Deutschland hinter Ferrari-Pilot Felipe Massa und dem starken Nico Rosberg nur Rang fünf. «Enttäuschend», gestand Button. Der Brasilianer Rubens Barrichello wurde im zweiten Brawn-Mercedes Sechster. Vettel verbesserte sich nach dem neunten von 17 Saisonläufen in der WM-Gesamtwertung auf Rang zwei und hat mit nun 47 Punkten nur noch 21 Zähler Rückstand auf Button (68). Der Australier Webber rückte als Dritter (45,5) bis auf 1,5 Punkte an Vettel heran.
«Ja, ja, ja», brüllte Webber nach der Zieldurchfahrt immer wieder in den Boxenfunk und schien dabei den Tränen nahe. «Ein unglaublicher Tag für mich», schwärmte der 32-Jährige. «Ein süßer Sieg», sagte Red- Bull-Teamchef Christian Horner freudestrahlend. Für seinen Rennstall war es der dritte Doppelerfolg in diesem Jahr. Zuvor hatte jeweils Vettel seinem Teamkollegen das Nachsehen gegeben. Diesmal jedoch stand der Hesse klar im Schatten des Routiniers, der vor der Saison wegen eines Beinbruchs nach einem schweren Fahrrad-Unfall lange pausieren musste.
«Du hast es verdient. Jetzt bist Du ein echter Sieger», lobte Horner seinen Piloten. «Ich habe mich herangekämpft, das Team war sehr geduldig», erklärte Webber. Zuletzt hatte vor 28 Jahren ein Australier einen Grand Prix gewonnen: Alan Jones im Williams-Ford am 17. Oktober 1981 in Las Vegas.
Hinter Vettel, der die Hoffnungen auf den ersten deutschen Heimsieg seit Michael Schumacher vor drei Jahren in Hockenheim noch nicht erfüllen konnte, trumpften vor allem Williams-Fahrer Rosberg und Adrian Sutil vor eigenem Publikum auf. Rosberg raste während der 60 Runden auf dem 5,148 Kilometer langen Kurs von Startplatz 15 auf Rang vier. «Ich bin super happy», meinte der Wiesbadener Rosberg.
Für den von Platz sieben gestarteten Sutil lag lange eine Sensation in der Luft, doch er verschenkte nach furioser Fahrt die Chance auf Punkte. Auf Platz zwei liegend, bog der Gräfelfinger nach 27 Runden zum ersten Mal in die Box, doch bei der Rückkehr auf die Strecke krachte der Force-India-Pilot in den Ferrari von Kimi Räikkönen. Schon vor einem Jahr in Monte Carlo hatte ein Unfall mit dem Finnen Sutils Punkte-Debüt für Force India verhindert. «Da hatte keiner Schuld», urteilte Räikkönen, der kurz darauf wegen eines Motorschadens aufgeben musste. «Wir sollten nicht zu enttäuscht sein. Wir haben gesehen, dass es geht», sagte Sutil, der am Ende 15. wurde.
Toyota-Fahrer Timo Glock (Wersau), der nach völlig verpatzter Qualifikation aus der Boxengasse gestartet war, verfehlte als Neunter nur knapp die Punkte. Dahinter wurde Nick Heidfeld im BMW-Sauber Zehnter. «Ich bin sehr enttäuscht, denn heute hatten wir das Potenzial, um Punkte zu holen», sagte der Mönchengladbacher.
Titelanwärter Vettel erwischte einen miserablen Start. «Da wurde ich ziemlich überrumpelt», räumte er ein. Wie befürchtet konnten die McLaren-Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen sowie Massa dank der Zusatz-PS des Hybridsystems KERS am Heppenheimer vorbeiziehen. Allerdings ging Weltmeister Hamilton ein zu hohes Risiko ein, bremste zu spät und beschädigte sich einen Hinterreifen. So ordnete sich Vettel zunächst als Sechster direkt hinter Rivale Button ein. Der Brite konnte zwar schnell an Massa vorbeiziehen, doch dann hielt Kovalainens Silberpfeil die Verfolger auf.
Auch für Webber lief es zunächst alles andere als nach Plan. Am Start verlor er Platz eins an Barrichello. Zwar konnte der Australier hinter dem Brasilianer dem Rest des Feldes davonziehen, doch schon bald setzte es den nächsten Dämpfer für ihn: Wegen eines Start- Remplers gegen Barrichello verurteilten die Rennkommissare den Red- Bull-Mann zu einer Durchfahrtstrafe. «Zurecht», gab er zu.
Doch Webber ließ sich nicht beirren und legte ein enormes Tempo vor. Über weite Strecken war er deutlich schneller als Vettel und die Brawn-Konkurrenten, die zunehmend Probleme mit ihren Reifen hatten. Zur Rennmitte übernahm Webber die Führung und und fuhr nach 1:36:43,310 Stunden als Erster über den Zielstrich. Vettel rettete, was zu retten war. Mit einer soliden Fahrt und einer guten Strategie ließ er Barrichello, Button und Massa noch hinter sich und sicherte souverän die wichtigen acht Punkte für das Ziel Weltmeistertitel.
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