Israelis und andere jüdische Gläubige in aller Welt können jetzt über das Internet ein Gebet an der Klagemauer in Jerusalem platzieren. Die Mauer ist das einzige Überbleibsel des zu biblischen Zeiten zerstörten Tempels im alten Jerusalem.
Der Student Alon Nirs aus Tel Aviv hatte die Idee, die Kurznachrichtenbörse Twitter auf originelle Weise zu nutzen, indem er jedermann erlaubt, ein kurzes Gebet zu schreiben. Er selbst oder einer seiner Helfer schreiben das Gebet dann auf Papier und legen es zwischen die Steine der historischen Mauer.
Gebete auf diese Weise zwischen die Steine der Klagemauer zu legen, ist eine uralte jüdische Tradition. Die für Juden heilige Mauer markiert den Ort, an dem Herodes der Große einst den Tempel baute. Dort war im 6. Jahrhundert vor Christus ein noch älterer Tempel von den Babyloniern zerstört worden. Der zweite Tempel wurde von den Römern im Jahr 70 nach Christus zertrümmert. Der Name Klagemauer entstand, weil die Juden hier die Zerstörung des Tempels beklagen.
Seit Nirs seine Idee in die Praxis umgesetzt hat, wird er mit Anfragen überhäuft. Inspiriert habe ihn die Benutzung von Twitter, bei dem für eine Kurznachricht lediglich 140 Zeichen verwendet werden können, während der Unruhen im Iran. Doch dabei habe er gemerkt, dass in dem Dienst auch das Potenzial für große Dinge stecke, sagte Nirs am Freitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Ich wollte etwas machen, das kreativ ist und zum Wohl von Menschen, vor allem von Israelis - dabei kam ich ganz schnell auf die Idee, die Twitter- Homepage für die Klagemauer in Jerusalem einzurichten.»
«Ich dachte, es ist ganz schön verrückt, für eine Ziegelsteinmauer, die mehr als 2000 Jahre alt ist, eine Verbindung zum Internet herzustellen», sagte der Student. «Stell dir vor, da sind 60 Millionen Nutzer, und die können in Sekundenschnelle ein Gebet an die Klagemauer schicken!» In den letzten Tagen sei er fast durchgedreht, um genügend Leute zu finden, die ihm dabei helfen, die Gebete auch wirklich an die Mauer zu bringen. «Ich sag' dir, ich komm' kaum noch nach damit», sagte der 25-Jährige.
Seine Dienstleistung bringe ihm nichts ein, betonte Nirs. «Es ist mir in den letzten Tagen schon klar geworden, dass ich das allein auf Dauer gar nicht schaffen kann.» Nun hofft der Student auf Sponsoren oder irgend eine andere Unterstützung: «Wenn das neue Semester anfängt, brauche ich jede Hilfe, die ich kriegen kann.»
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