Neu auf CD
OST Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft
OST Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft
Alexandre Desplat
14.08.2009
Varèse Sarabande - Colosseum
Soundtracks
Soundtrack
AL!VE
Einen Soundtrack für Coco Chanel zu zaubern, das bedeutet, Seide und Batist zum Rascheln zu bringen. Das heißt, dem verlassenen Waisenkind, der tingelnden Varietésängerin, der Provinznäherin Coco Töne zu geben, der Kurtisane, der rebellischen, starken und doch schwachen und zerrissenen Frau Klänge auf den Leib zu schneidern. Alexandre Desplat hat diese Aufgabe mit minimalistischem Einsatz und doch sensibel gemeistert.Unter den Fittichen von Anne und Camille Fontaine entstand das filmische Portrait einer ungewöhnlichen Frau, die zur Stilikone weltweit und zum Sinnbild der Selfmade-Frau und der Emanzipation wurde. Am Anfang aber war das verlassene Waisenkind. Das Thema dafür, "L'Abandon", zaubert Desplat mit perlendem Klavier, das in schwebender Tonalität mit einem hohen Septimschritt am Ende die Traurigkeit, aber auch die Undefiniertheit der Person Gabrielle "Coco" skizziert. Dieses Thema wird in "L'Atelier" wieder aufgegriffen. Sparsame Streicher lassen im Untergrund ein Quartmotiv durchlaufen, um das sanft Harfen und zarte Celli spielen.
Und so geht es im Soundtrack weiter. Filigran ausgearbeitete Arrangements veredeln die herzlich unspektakulären Themen und Melodien. "Coco & Boy", der Liebhaber, der sie heiraten wollte, bekommt ein ebenso geläufiges Thema wie "Couture". Das zarte Klavier und die Glockenspiele für Boy, die in "Avenue du Bois" wiederholt werden, weisen auf die zarte junge Liebe hin, die hier entsteht. Und mit Pizzicati in den Celli und Geigen werden in "Couture" die tackernden Nähmaschinennadeln skizziert, die fieberhaft aufsteigenden Ideen und die Obsession Cocos. Auch wenn man sich 30 Sekunden später nicht mehr an das Thema erinnern kann.
Mehr als Hintergrundsmusik bietet Desplat auch für "L'Hippodrome", "Gabrielle Bonheur" oder "Arthur Capel" nicht auf, Cocos Liebhaber Balsan bekommt in "Confession de Balsan" eher einen Klangteppich als ein eigenes Leitmotiv und auch das melancholische "Premier baiser" ist mau. Dieses aber wird als "Un seul amour" später einen Ton nach unten transferiert. Raffiniert und für Menschen ohne absolutes Gehör unbemerkt vertont dieser Kunstgriff die wachsende Reife der Hauptdarstellerin, auch wenn das Motiv selbst zum Einschlafen fade ist.
Ausnahmen aus dem melodischen Einerlei bilden der zauberhafte Walzer "Chez Chanel" und "Casino de Deauville" (zweimal der gleiche), das an Vollenweider und Gamelanklänge erinnernde "Coco rève de Paris", das traurige "Le chagrin de Coco" und ihr Gesang "Qui qu'a vu Coco".
Desplat hat hier mit minimalen Mitteln und gekonnten Arrangements einen zweckdienlichen Soundtrack erschaffen - die Anschaffung des Albums kann man aber wohl sparen.
AL!VE
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