Ein Mann hat das widerlegt, eigentlich Elektriker und arbeitslos, Archäologiebesessen von früher Kindheit an, Autodidakt und von vielen belächelt: Alfred Rust (1900 bis 1983). Er wies in den 1930er Jahren nach, dass es schon vor über 10 000 Jahren im Hamburger Raum Rentierjäger gab, mit wenigstens zwei Stämmen, der «Hamburger» und der «Ahrensburger Kultur». Er hatte zwar keine menschlichen Gebeine, aber jede Menge präparierte Rentierknochen gefunden und ganze Skelette, die offenbar Opfergaben gewesen waren.
Der Hamburger Alfred Rust ist eine jener Persönlichkeiten, die der zunächst noch skeptisch beäugten, als «Wissenschaft» erst spät anerkannten Archäologie den Weg bereiteten, oft unter großem Einsatz eigener Mittel bis hin zum eigenen Leben. Ihnen ist beim ZDF am «Terra X»Sendeplatz sonntags um 19.30 Uhr eine neue Reihe mit zunächst drei Folgen gewidmet, die Marc Brasse für Spiegel TV mit Kay Siering (Buch) und Saskia Weisheit (Regie) produzierte: über Alfred Rust am 18. Oktober mit dem «Geheimnis der Eiszeitjäger», am 25. Oktober über Eduard Seler, der den «Geheimen AztekenCode» entzifferte, und am 8. November über Adolf Bastian, der «Das Mysterium von Angkor» enträtselte.
Im März/April 2010 geht es mit drei neuen Folgen weiter, über frühe Unterwasserarchäologie, über Forscher und Forschungen zur Geschichte der Etrusker und der von Persepolis, der Hauptstadt des persischen Weltreichs.
«Wir graben sozusagen die Ausgräber aus», meint dazu Gisela Graichen, die Initiatorin der Reihe, und ist voll Hochachtung vor diesen Männern, die oft nur vom eigenen Instinkt getrieben an die archäologische Arbeit gegangen sind, gegen heftige Widerstande «seriöser» Wissenschaftler. Frauen seien leider nicht darunter, sagt sie seufzend: «Ich habe nur Männer im Kopf.» Und Gisela Graichens ganzes Bedauern gilt den Frauen dieser Männer: «Die mussten es hinnehmen, dass ihre Männer freundlich winkend für ein paar Wochen und Monate irgendwo im fernen Land verschwanden und so rasch nicht wieder zu sehen waren.» Ein besonders markantes Beispiel liefert dafür der Skythenforscher Gero von Merhart, dessen abenteuerliche Lebensgeschichte zur weiteren Planung der «Atlantis»-Reihe gehört.
Der war gegen Ende des Ersten Weltkriegs als Oberleutnant in russische Kriegsgefangenschaft geraten und sollte schon entlassen werden, als seine geduldig daheim wartende Ehefrau einen Brief bekam. Von Merhart würde noch eine Weile in Sibirien bleiben. Er hatte gerade so interessante Entdeckungen zur Geschichte der Skythen gemacht.
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