Abwarten, wie das neue Format am bisher quotenschwachen Montagabend einschlägt, abwarten, ob Britt Hagedorns neue Dokusoap «Deutschland wird schwanger» (eine Stunde vor Kerner) neue Zuschauergruppen anlockt und abwarten, ob das Publikum den neuen «Comedy-Freitag» (Beginn: 30.10.) lustig genug findet.
Mit dem Start der neuen Comedy-Staffeln kann Sat.1 zufrieden sein: Anke Engelkes «Ladykracher» holte eine gute Quote. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte der Sender 1,6 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 13,7 Prozent). Die Ausstrahlung um 21.15 Uhr war der Auftakt für insgesamt 13 neue Folgen. Die neue Staffel «Pastewka» (21.45 Uhr), in der sich der Komiker Bastian Pastewka selbst spielt, erreichte in der jungen Zielgruppe sogar 1,71 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 15,4 Prozent). Sat.1 hat in dieser Altersgruppe im Schnitt eine Quote von etwa 11 Prozent. Eine Marge, die Oliver Pocher am 30. Oktober (0,97 Millionen; Marktanteil: 10,5 Prozent) nicht knackte.
Die Nummer zwei im Privatfernsehmarkt - hinter dem ewigen Marktführer RTL - hat Probleme. Zuletzt lag Sat.1 mit dem Marktanteil bei den werberelevanten 14- bis 49-Jährigen sogar noch hinter dem Schwestersender ProSieben. «Sat.1 ist älter» als der Durchschnitt der Privatsender und liege damit näher am ZDF, erklärte Geschäftsführer Guido Bolten kürzlich. Nicht nur deshalb passe Kerner, der gerade frisch vom ZDF gekommen ist, sehr gut zum Sender.
Und der Moderator selbst will auch nicht auf betont jugendlich machen. Ihm gehe es darum, «eine gute, interessante Sendung abzuliefern». Dabei blicke er gar nicht gebannt auf die Quoten der ersten Show, die ausgerechnet gegen die sehr stark gestartete RTL- Dokusoap «Bauer sucht Frau» antreten muss. «Wir schauen nicht auf die erste, zweite Sendung, sondern wir warten mal 20 bis 30 Sendungen ab. Wir werden keinen Quotenerfolg aus dem Stand haben, so eine Sendung muss sich entwickeln», sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Der Sender wolle ein journalistisch-unterhaltsames Magazin machen und davon insgesamt profitieren, denn auf diesem Gebiet hat Sat.1 außer Ulrich Meyer mit seinem «Akte»-Format wenig zu bieten. Bolten nennt Kerner gar das «journalistische Flaggschiff» von Sat.1. Einen Erfolg mit Kerner hat Sat.1 schon: Die Reaktivierung des Fußball- Formates «ran» mit dem 44-Jährigen als Moderator der Champions- League-Spiele beschert dem Sender naturgemäß gute Quoten.
Seine neue Show, die mit 105 Minuten Sendezeit inklusive Werbung etwas länger läuft als «Johannes B. Kerner» im ZDF, soll auch kein Abklatsch sein, sondern etwas Anderes. Keine reine Talksendung, sondern ein aktuelles Magazin mit vier bis sechs Themen, aufbereitet in Filmbeiträgen und Gesprächen, «auf jeden Fall mehr Einspieler als zuletzt», sagt Kerner dazu. Eines will er auf keinen Fall: «Es wird keine seichte Plauderei mit Prominenten.» Er wolle Themen behandeln, die die Menschen bewegen, unabhängig von Promis. «Wenn eine Kassiererin wegen verschwundener Pfandbons entlassen wird, dann ist das ein hochemotionales Thema, und interessant für uns», sagt er. Und es kommt ebenso in der ersten Sendung vor wie das Thema «Baustellenchaos auf Deutschlands Straßen» oder ein Gespräch mit Komiker Mario Barth.
So etwas ähnliches macht Günther Jauch mit «Stern TV» schon seit Jahren bei RTL - und die Konkurrenz schläft nicht: So ging es am vergangenen Mittwoch bei «Stern TV» um das Thema moderne Rechtsirrtümer, und wie man sich dagegen wehren kann. Nichts ungewöhnliches an sich, wenn da nicht der Umstand wäre, dass genau dieses Thema auch bei «Kerner» stattfindet und «Stern TV» es kurzfristig, ohne vorherige Ankündigung, ins Programm genommen hat, wie der Mediendienst DWDL.de berichtete. «Der kleine Gruß von den Kollegen in Köln ist angekommen», sagt Kerner dazu, merklich um Entspannung bemüht. «Ich nehme das als kollegialen Schulterklopfer und hätte nicht gedacht, dass die uns so ernst nehmen.»
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