Schleich dich noch einmal, Sam!
Tom Clancy's Splinter Cell: Conviction
Nur eines ist gefährlicher als ein zur Tötungsmaschine ausgebildeter Geheimagent: ein zur Tötungsmaschine ausgebildeter Geheimagent mit schlechter Laune. So gesehen ist Sam Fisher im jüngsten Teil der "Splinter Cell"-Reihe der schlimmste Albtraum jedes Bösewichts. Der Ex-Agent - gealtert, geläutert, aber immer noch brandgefährlich - hat nämlich erfahren, dass der Unfalltod seiner Tochter vielleicht kein Zufall war - und dass sein ehemaliger Arbeitgeber "Third Echolon" in das Mordkomplott verstrickt sein könnte. Dass Sam in diesem ganz persönlichen Fall unbarmherziger als seinen offiziellen Aufträgen als Geheimagent nachgeht, ist mehr als verständlich ... Während der elf Kapitel umfassenden Geschichte, die meist in Rückblenden erzählt wird, beweist der alte Hase, dass er einige neue Tricks gelernt hat. So kann er beispielsweise mehrere Gegner "markieren" und dann per Knopfdruck automatisch ausschalten. Neben dem bis dato größten Waffenarsenal der Serie stehen auch zahllose Verbesserungen für jedes Modell zur Verfügung - vorausgesetzt natürlich, man hat sich diese verdient. Ebenfalls neu: Sams letzte den Feinden bekannte Position wird als Silhouette angezeigt. Weiß man, wo die Gegner einen vermuten, sollte man die Position wechseln und das Überraschungsmoment nutzen.
Verhöre führt Fisher auf ebenso unkonventionelle wie effektive Art aus: Er prügelt die Wahrheit aus den Gegner heraus, sodass sich mehr und mehr Puzzleteile ineinanderfügen in einer wendungsreichen Story, in der - wie in allen Teilen der Reihe - die Grundgesetze aller Verschwörungstheoretiker gelten: Nichts ist wie es scheint. Und: Traue niemandem!
Auch wenn "Splinter Cell: Conviction" deutlich actionlastiger und temporeicher als die Vorgänger ist, bleibt sich die Serie treu: Wer blindwütig drauflosballert, kommt nicht weit. Sam Fisher ist schließlich bekannt geworden für seine Fähigkeit, im Verborgenen zu operieren, zu infiltrieren und zu sabotieren. Zumindest so lange, bis er vor dem Oberschurken steht
Der Weg dorthin ist angenehm abwechslungsreich gestaltet und führt Sam an die unterschiedlichsten Orte - unter anderem in einen Vergnügungspark, in den Irak oder in das Third-Echelon-Hauptquartier. Aber auch Gameplay bietet spannungsgeladene Kurzweil, da Sam immer wieder mit neuen Upgrades, Gadgets (vom EMP-Generator bis zur Haftkamera) und Optionen ausgestattet wird. Genial: Tipps und Ziele werden direkt auf Wände oder andere Objekte projiziert.
Sams wichtigstes Hilfmittel ist und bleibt jedoch die Dunkelheit. Um zu erkennen, ob man im Schatten gut getarnt ist, muss man allerdings nicht mehr auf einen Stealth-O-Meter schauen: Ist der Agent unsichtbar für Gegner, wird die Umgebung schwarzweiß dargestellt. Da Wachen und Soldaten auf die jeweilige Situation reagieren - beispielsweise wütend werden und energisch nach dem Täter suchen, wenn einer der ihren gefallen ist - sorgen die Versteckspiele mit der Künstlichen Intelligenz für Nervenkitzel. Denn wie Sam wissen auch die Computer-Kontrahenten mit Waffen und Blendgranaten umzugehen.
Gut geklaut hat Ubisoft auch beim hauseigenen "Assassin´s Creed". So gilt es zum Beispiel, in Massenszenen unerkannt Gegner abzugreifen und in eine finstere Ecke zum Verhör zu ziehen.
Zur gelungenen Atmosphäre trägt neben der erstklassigen Grafik, die auf aufgebohrten "Unreal"-Engine fußt, auch der dynamische Soundtrack bei, der sich an die jeweilige Situation anpasst und die Stimmung verstärkt. Hinzu kommen erstklassige Synchronsprecher und aufwendige Zwischensequenzen, die dem PC- und Xbox-360-Titel den letzten cineastischen Schliff verpassen.
Ist der Spieler nach rund zwölf Missionen einer gewaltigen Verschwörung auf die Schliche gekommen, ist "Conviction" aber noch lange nicht zu Ende: Schließlich wartet noch der Koop-Modus - bestehend aus einer eigenständigen Geschichte, in denen zwei Freunde online oder via Splitscreen in die Rollen der Agenten Archer und Kestrel schlüpfen, um in vier umfangreichen Missionen auf die Jagd nach gefährlichen EMP-Bomben zu gehen. Ist gerade kein Kumpel zur Hand, startet man einfach mit einer Zufallsbekanntschaft aus dem Internet.
Spione der ersten "Splinter Cell"-Stunden werden eventuell monieren, dass Sam Fisher weniger mit Samthandschuhen agiert als früher. Dennoch ist noch so viel vom Original erkennbar, dass der Titel neue Fans erobern wird, ohne die alten zu vergraulen.
Tom Clancy's Splinter Cell: Conviction
Action
PC
nein
Xbox 360
ja
Ubisoft
ab 18 Jahren
2-4
Für Fortgeschrittene
15.04.2010
Ubisoft
ca. 70 Euro
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sehr gut
sehr gut
sehr gut
sehr gut
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