Die kleinen Mainzer Ela und Philipp machen große Augen. Wie kann denn das sein? Wenn die Kinder mit ihren Fingern ganz schnell über das eigentlich flüssige Gemisch vor sich in der Schale trippeln, fühlt sich die Oberfläche ganz hart an und die Finger sinken nicht ein.
«Das ist Maismehlstärke und Wasser», erklärt ihre Erzieherin Alexandra Gemmel. «Mais besteht wie alle anderen Dinge aus vielen kleinen Teilchen und die sind eckig. Wenn man Druck auf sie ausübt, verhaken sie sich ineinander und deshalb fühlt es sich an wie Beton», erläutert die Angestellte des Kinderhauses Posselmann in Mainz.
Einmal in der Woche gehen Ela, Philipp und die anderen Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren solch verblüffenden Phänomenen auf den Grund. Denn ihr Kindergarten gehört wie 33 weitere in der Umgebung zum Projekt «Haus der kleinen Forscher». Die bundesweite Stiftung verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, «frühkindliche Bildung zu fördern und zukünftig einen Beitrag zur Stärkung des Innovations- und Forschungsstandorts Deutschland zu leisten». Dafür wurden in jedem Bundesland lokale Netzwerke geschaffen. Derzeit sind es bundesweit rund 150 Partner, die circa 11 900 Kitas betreuen. Bis Ende 2015 sollen etwa 36 000 Kitas mitmachen.
Wie die Berliner Geschäftsstelle des «Hauses der kleinen Forscher» mitteilt, ist Rheinland-Pfalz dieses Jahr ein Schwerpunktland für die Stiftung. Derzeit gibt es hier vier Partner: in Mainz, Worms, im Kreis Alzey-Worms und in Koblenz. Ziel ist es, ein flächendeckendes Angebot zu etablieren, um alle rheinland-pfälzischen Erzieherinnen fortbilden zu können. Laut Bertelsmann Länderreport gab es 2008 in Rheinland-Pfalz 2414 Tageseinrichtungen mit 142 621 Kindern.
Trainer bieten den am Projekt teilnehmenden Kindergärten Schulungen mit den Erziehern an, die die gelernten Versuche dann eigenständig in den Alltag einbinden. «Am Anfang war ich skeptisch, weil ich Angst hatte, die Fragen der Kinder nicht beantworten zu können», erzählt die Mainzer Erzieherin Alexandra Gemmel. Die Schulung habe ihr diese Angst jedoch genommen, so dass bislang alles sehr gut klappe. «Die Kinder können auch frei entscheiden, ob sie an dem Angebot teilnehmen möchten», betont die Pädagogin.
Das «Haus der kleinen Forscher» wurde im Oktober 2006 als Verein gegründet. Seit Mitte 2008 ist es eine Stiftung der Wissenschaftsorganisation Helmholtz-Gemeinschaft, der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company, der Siemens Stiftung und der Dietmar Hoff Stiftung. Ein Förderverein unterstützt die Arbeit.
«Es sind neu entwickelte Versuche zu den Themen Luft, Wasser, Elektrizität, Licht und Sprudelgase, die der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen gerecht werden», erklärt Christa Welschof. Sie ist die Mainzer Netzwerkkoordinatorin und gleichzeitig Leiterin des Schülerlabors «NAT-Lab» der Johannes Gutenberg-Universität. Vor einem Jahr hat sie beschlossen, Partner zu werden und eine Trainerin einzustellen. «Die Kosten für die Workshops mit den Erziehern trägt das Schülerlabor», erläutert Welschof. Von der Stiftung werden Materialien mit Versuchsbeschreibungen zur Verfügung gestellt. Einmal im Jahr wird ein bundesweiter Forschertag organisiert, an dem die Einrichtungen Experimentiermaterialien zu einem besonderen Thema bekommen.
Im Saarland gibt es ein Netzwerk vom «Haus der kleinen Forscher» in der Landeshauptstadt Saarbrücken, das das gesamte Bundesland abdeckt. Laut Bertelsmann Länderreport zählte das Saarland im vorvergangenen Jahr 473 Kitas mit 32 035 Kindern.
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