Ein Haken links, ein Haken rechts. Ein kurzer Spurt, dann ein Lupfer ins leere Tor - Arjen Robben ist zurück. Einen Tag nach dem 2:0-Sieg der Niederländer gegen Dänemark steht der Fußball-Star vom FC Bayern München erstmals wieder zusammen mit seinen Teamkollegen auf dem Platz.
Er lacht und scherzt mit den Mitspielern. Die Stimmung ist gelöst bei den «Oranjes», auch wenn das Starensemble weiß, dass es gegen die Skandinavier alles andere als geglänzt hat. «Beharrlichkeit vor Schönheit», titelte die Tageszeitung «Trouw». Zeit für die Rückkehr von Robben also, für mehr Schnelligkeit, Kreativität und Esprit? Nein, der 26-Jährige muss sich wohl noch ein bisschen gedulden. Als Rafael van der Vaart und Co. ein bisschen Fußball-Tennis spielen und ein paar Technik-Übungen absolvieren, verkriecht sich Robben wieder in einen hinteren Zipfel des Trainingsplatzes auf dem Gelände der Wits University in Johannesburg. Spezialtraining ist angesagt für den Flügelflitzer.
Dass er im zweiten Gruppenspiel gegen Japan am 19. Juni in Durban schon dabei ist, scheint eher unwahrscheinlich. «Ich rede nicht über einen Termin, wann er wieder spielt», sagt Bondscoach Bert van Marwijk. Der frühere Trainer von Borussia Dortmund ist ein wenig genervt davon, dass ihn alle nur auf Robben ansprechen. «Ich bin jetzt die ganze Journalisten-Reihe abgelaufen und alle fragen nur nach Robben», scherzt der Fußball-Lehrer.
Der Erfolg gegen Dänemark, so glanzlos er auch gewesen sein mag, gibt van Marwijk die Möglichkeit, den Superstar nach dessen Muskelfaserriss im Oberschenkel noch ein wenig zu schonen. «Es ist wichtig, dass wir gewonnen haben und ich mit ihm Zeit habe», sagt der Coach. Robbens Mitspieler gehen nicht davon aus, dass der gebürtige Groninger gegen die Japaner schon wieder dabei ist. «Das glaube ich nicht», sagt van der Vaart, der bei einer Rückkehr Robbens mehr denn je um seinen Platz bangen müsste.
Ob mit dem Bayern-Wirbler oder nicht: Die Niederländer müssen sich steigern, wenn sie am Ende wirklich zu den Titelkandidaten zählen wollen. Bayern-Kapitän Mark van Bommel und seinen Kollegen ist das bewusst. Dass die Art des Erfolges an frühere WM-Siege der deutschen Mannschaft erinnerte, ficht Mark van Bommel nicht an. «Wenn es so bleibt, bin ich zufrieden», sagt der Kapitän des FC Bayern München verschmitzt mit Blick auf die drei WM-Titel des Nachbarlandes.
Jahrelang wurde der «Elftal» vorgeworfen, sie spiele traumhaft schön, gewinne aber keine Titel. «In Holland erwarten sie immer das Beste», sagt van der Vaart. Dass es zum Start in der Höhe von Johannesburg, die den Niederländern das Leben «brutal schwer» (van Bommel) gemacht habe, noch nicht rund lief, kommt van Marwijk sogar gelegen. «Die Euphorie war vielleicht ein bisschen zu groß nach unserer tollen Vorbereitung», sagt der Coach.
Bei der EM vor zwei Jahren verzauberten die Niederländer in der Vorrunde ganz Europa, um dann im Viertelfinale gegen Russland zu versagen. Die «Oranjes» fuhren nach Hause, im Finale stand Deutschland, das bis dato kaum überzeugt hatte. Nun staunt die Welt-Öffentlichkeit über die deutsche Rasselbande, die Holländer sind etwas aus dem Fokus gerückt - und können Superstar Robben in aller Ruhe integrieren.
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