Zwillinge in Ost und West, als es noch eine DDR gab und die Welt übersichtlich in «bunter Kapitalismus» und «grauer Sozialismus» eingeteilt werden konnte. Was aber geschieht, wenn die Zwillinge die Rollen tauschen und das verwöhnte Wohlstandskind aus dem Westen sich im Arbeiter- und Bauernparadies zurechtfinden muss? Die Antwort gibt der Kinofilm «Kleinruppin Forever» am Samstag um 20.15 Uhr bei SAT.1.
Als Produzent Dirk Beinhold das Drehbuch der Debütanten Peer Klehmet und Sebastian Wehlings las, dachte er an alles mögliche, aber nicht daran, dass es eine Ostwest-Zwillingsgeschichte schon gab, und zwar fünf Mal: «Schulz & Schulz», Folge 1 bis 5, mit Götz George in den Jahren 1989 bis 1993. «Ich schwöre, ich habe das nicht gewusst», sagt Beinhold, der sich eher an Erich Kästners «Doppeltes Lottchen» und ein wenig an die amerikanischen «Zurück in die Zukunft»-Filme erinnert fühlte.
Den Film wollte er aber trotzdem machen. Unter der Regie von Carsten Fiebeler erzählt er von Tim, dem Bremer Luxusknaben mit großer Tennis-Zukunft. Bei einem Klassenausflug in die DDR steht er plötzlich seinem bis dahin unbekannten Zwillingsbruder Ronny gegenüber, der ihm eine Flasche über den Kopf zieht und seine Rolle einnimmt. Als Tim aus der Ohnmacht erwacht, glaubt ihm niemand seine Geschichte und er bleibt allein in der DDR zurück.
Dort lernt er die Segnungen des real existierenden Sozialismus kennen: Plansoll, NVA-Musterung, Betriebskampfgruppe. Aber er trifft auch Vertreter einer subversiven Jugendgang, die sich nichts vorschreiben lassen will, inklusive Nacktbad und Rock auf der Gitarre. Und etwas Liebe bahnt sich auch an. Tobias Schenke spielt die dankbare Zwillingsrolle, zum Ensemble gehören so profilierte Darsteller wie Stefan Gwisdek und Uwe Kockisch.
Gedreht wurde in Wittenberge an der Elbe zwischen Hamburg und Berlin. Die waschechten DDR-Requisiten fanden sich im dortigen «Blaulichtmuseum» eines privaten DDR-Sammlers. «Kleinruppin Forever» kam 2004 in die Kinos, geriet dort ein wenig in den Schatten von «Good Bye Lenin!» und brachte es auf einen Achtungserfolg mit rund 150 000 Zuschauern. Für die TV-Ausstrahlung rechnet Produzent Beinhold mit einem guten Einschalt-Erfolg. Denn er ist sicher, dass die Welle der Filme über die DDR - mal ernst, mal heiter - längst noch nicht vorbei ist: «Der einstige Alltag der DDR bietet eine Fülle dankbarer Stoffmöglichkeiten.»
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