Der eine macht's mit links, die andere mit Hilfe seiner Liebe. Speerwurf-Bundestrainer Boris Henry hat in Linkshänder Matthias de Zordo und seiner Lebensgefährtin Christina Obergföll zwei «heiße Eisen» bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona im Feuer.
«In den vergangenen zwei Jahren habe ich verdammt viele graue Haare bekommen», sagte der 36 Jahre alte frühere Weltklassewerfer. «Ich leide als Trainer zehnmal mehr, freue mich aber auch zehnmal mehr.»
Besondere Freude macht ihm sein Schüler de Zordo. Der 22-Jährige aus Saarbrücken sorgte bei der Team-EM im Juni in Bergen doppelt für Furore: Er warf den Speer auf 83,80 Meter und besiegte auch noch den Olympiasieger, Weltmeister und Europameister Andreas Thorkildsen in dessen Heimatland. «Ich möchte ins Finale und dann möglichst an meine Bestleistung herankommen», sagte de Zordo vor der Qualifikation am Freitag. Seine Bestleistung liegt seit diesem Jahr bei 84,38 Meter.
«Matthias ist ein absoluter Wettkampftyp, im Training wirft er gerade einmal 75 Meter», berichtete Henry. «Im Wettkampf gibt er nicht 100, sondern 150 Prozent.» Und de Zordo, dessen Namen auf die Herkunft seines italienischen Vaters verweist, hat noch viel vor. Der Sportsoldat will die 90,44 Meter seines Trainers Boris Henry toppen. «Ich will der erste Linkshänder der Welt werden, der im Speerwurf 90 Meter übertrifft», kündigte de Zordo an, dessen Motto «Nur wer das Unmögliche möchte, kann das Mögliche erreichen» lautet.
Speer-Coach Henry fiebert zugleich auch mit seiner Partnerin Christina Obergföll mit, die die Qualifikation mit 65,05 Metern meisterte und nun an diesem Donnerstag im EM-Finale eine Medaille anvisiert. Mit Tipps und Betreuung hält er sich aber strikt zurück. «Ich halte mich da ganz raus, und daran wird sich in Zukunft auch nichts ändern», sagte Henry. Seine Freundin habe mit Werner Daniels einen exzellenten Trainer: «Sie sind ein tolles Team.»
Auch die 28 Jahre alte Offenburgerin will Leistungssport und Liebe getrennt wissen. «Privat ist privat. Beziehung und Speerwurf, da wollen wir eine Vermischung vermeiden, das wäre nicht gut», sagte Obergföll, die seit zwei Jahren mit Henry liiert ist.
Ein gemeinsames Ziel hat das Leichtathletik-Paar aber dennoch: Die Olympischen Spiele 2012 in London. Die deutsche Rekordlerin möchte wie 2008 in Peking eine (Bronze-)Medaille holen und Henry will seine Schüler fit für Großes machen. «Ich möchte gerne zwei Athleten dabei haben, die vielleicht um eine Medaille kämpfen können», hofft Henry. De Zordo ist momentan Kandidat Nummer eins, doch mit dem Senkrechtstarter Till Wöschler könnte schon sein zweiter Mann gefunden sein.
Der 19-Jährige von der LAZ Zweibrücken verbesserte bei der U 20-WM im kanadischen Moncton den deutschen Jugendrekord um fast vier Meter auf 82,52 Meter. «Er ist ein Mann für die Zukunft», prophezeite Henry, der bisher noch wenig Kontakt zu Wöschler hatte. «Wir wohnen nur 15 Kilometer auseinander, haben uns jedoch bisher nur einmal gesehen», sagte Henry. «Die Kommunikation kann noch verbessert werden.»
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