Der Norden profitiert vom Flugzeugbau bei Airbus. Nicht nur bei der Herstellung des Riesenjets A 380, auch beim neuen A 350*, für den gestern in Stade der Startschuss für die Produktion des ersten Kohlefaser-Bauteils fiel.
Auch die Lübecker Firma B/E Aerospace Systems (ehemals DAE Systems) an der Revalstraße baut mit am A 350. „Wir fertigen das komplette Sauerstoffsystem für Piloten und Passagiere und zusätzlich den Versorgungskanal der Flugzeuge“, erklärt Geschäftsführer Ralf Fischer. Im Versorgungskanal über den Köpfen der Passagiere werden die Luftzufuhr, Leseleuchten, Lautsprecher und auch die Anschnallzeichen integriert. „Wir sind jetzt in der Projektphase. Die Inneneinrichtung ist beim Bau erst etwas später dran“, so Fischer.
Eine Projektkabine sei Anfang 2011 fertig. Nach der Endmontage in Lübeck liefere B/E Aerospace Systems später die fertigen Komponenten an die Kunden aus. „In der Entwicklung ist der A 350 für uns zurzeit der größte Auftrag“, erklärt Fischer. 14 Projektentwickler arbeiteten im Moment daran. Später in der Fertigung müsse man das Personal aufstocken. Bisher habe man die Sauerstoffboxen geliefert, jetzt komme mit dem Versorgungskanal erweitere man das Produktangebot.
Auch die Barsbütteler Firma Arthur Krüger – Technik in Kunststoff – ist Lieferant für den A 350. „Wir fertigen spezielle Kunststoffteile wie Verkleidungen und Kunststoffspiegel“, sagt Manfred Waltz. Auch seine Firma, die 40 Prozent ihres Umsatzes mit der Luftfahrtindustrie macht, freut sich über den Bau des neuen Jets. 15 der insgesamt 90 Mitarbeiter seien zurzeit nur mit den Airbus-Aufträgen beschäftigt. Insgesamt arbeiten in der Metropolregion Hamburg 300 kleinere und mittlere Unternehmen als Zulieferer oder Dienstleister.
Airbus-Chef Thomas Enders setzte in Stade gestern mit dem Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung, Peter Hintze (CDU), eine Maschine in Gang, die mit der Herstellung der Flügeloberschale aus Kohlenfaserverbundstoffen (CFK) begann. Im Wettlauf mit dem US-Erzrivalen Boeing und dessen B 787 setzt Airbus verstärkt auf ultraleichte Verbundstoffe. „Das ist ein Meilenstein in diesem wichtigen Programm“, so Enders. Das 32 Meter lange Bauteil ist die größte CFK-Komponente im weltweiten Airbus-Produktionsverbund. Der Rumpf besteht komplett und das gesamte Flugzeug zu 53 Prozent aus CFK, was enorme Gewichts- und Kraftstoffeinsparungen ermögliche.
In Stade werden auch Teile des hinteren Rumpfes und des Seitenleitwerks produziert. Airbus investierte eine halbe Milliarde Euro in Hallenneubauten, Maschinen und Anlagen. Bis Ende des Jahres werden dort 100 Mitarbeiter für den A350 arbeiten, bei voller Produktion später 500. Für die A350-Familie liegen schon 528 feste Bestellungen vor.
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