Rote Karte für überehrgeizige Eltern: Damit ihre Kinder wieder ungestört Fußballspielen können, hat der Niedersächsische Fußballverband (NFV) eine Sperrzone rund um die Spielfelder geschaffen. Mindestens fünf Meter müssen Mama und Papa ab der kommenden Saison Abstand halten, wenn ihre Kinder von der G- bis zur D-Jugend gegen das Leder treten. Die Begründung: Die Eltern setzen die Mini-Kicker mit gebrüllten Anweisungen zu sehr unter Druck. Der Schiedsrichter-Ausschuss des Kreisfußballverbandes (KFV) Lübeck fordert jetzt eine ähnliche Regelung.
Schiedsrichter-Obmann Boris Hoffmann hat an jedem Wochenende unmittelbar mit schimpfenden Zuschauern und Eltern zu tun. „Was bei uns an den Seitenlinien teilweise abgeht, ist grausam. Es gibt mittlerweile keine Hemmschwelle mehr. Wie da von Eltern auf Kinder und Schiedsrichter versucht wird Einfluss zu nehmen, ist der Wahnsinn“, sagt Hoffmann. Nicht nur die Kinder verlieren so den Spaß am Sport, auch junge Schiedsrichter werden vergrault. „Ein Jugendlicher, der ein Schülerspiel pfeift, der hat gegen eine meckernden Elternschar einfach verloren“, sagt Hoffmann.
Zur nächsten Sitzung des Spiel- und Jugendausschusses wird Hoffmann deshalb einen entsprechenden Antrag vorbereiten, der Zuschauer unmittelbar vom Fußballfeld verdrängen soll. Der Abstand soll Schiris und Kinder zumindest ein bisschen entlasten.
Auch im übrigen Schleswig-Holstein ist das Pöbel-Problem bekannt. „Das Fehlverhalten etlicher Eltern im Jugend-Fußball ist unbestritten“, sagt Tim Cassel, Präventionsbeauftragter des Schleswig-Holsteinischem Fußballverbandes (SHFV). Der Ex-Profi (unter anderem beim VfB Lübeck) ist selbst Vater und weiß, woran es liegt: „Viele Eltern transportieren in ihre Kinder etwas hinein, was sie selbst gerne erlebt hätten.“ Der Traum von der eigenen Bundesliga-Karriere lebe in dem Junior weiter. Durch permanente Anweisungen versuchen die Eltern dann das Maximum aus ihren Kindern rauszuholen – doch oft das Gegenteil ist oft der Fall. Unter dem Leistungsdruck verlieren die kleinen Sportler die Lust am Fußball.
Erst ab der B-Jugend würden sich Eltern an der Seitenlinie wieder beruhigen. „Wenn absehbar ist, dass aus ihrem Filius kein zweiter Michael Ballack wird, dann lässt das Engagement der Eltern spürbar nach “, hat Cassel beobachtet. Das Verhalten im „großen“ Fußball trage zu dem Phänomen der überehrgeizigen Eltern bei: „Bei den Profis geht es nun mal nur um Leistung und um Gewinnen.“ Dies werde dann oft eins zu eins auf den Jugend-Fußball übertragen.
Ist der niedersächsische Vorstoß dann auch ein möglicher Ansatz für den Junioren-Bereich in Schleswig-Holstein? Cassel erklärt: „Wir prüfen eine solche Maßnahme.“ Eine Fünf-Meter-Sperrzone hält er allerdings für zu drastisch. Noch. „Wir halten uns diesen Schritt für die Zukunft aber offen.“ Der SHFV setze derzeit lieber noch auf Präventionsseminare in den Kreisen. „Viele Eltern sind sich ihres unvorbildhaften Verhaltens gar nicht bewusst – dafür wollen wir sensibilisieren“, erklärt Cassel.
In weiten Teilen Schleswig-Holsteins gibt es bereits Regelungen, die es Zuschauern verbietet, den Innenraum eines Sportplatzes zu betreten. Problematisch wird es aber, wenn Begrenzungen wie Laufbahn, Banden oder Handläufe fehlen. Vor allem Kleinfeldspiele im Jugendbereich stellen die Schiedsrichter – und Kinder – vor eine besondere Herausforderung. Hoffman: „Es besteht einfach akuter Handlungsbedarf.“
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