Die EHEC-Spur nach Lübeck verdichtet sich. Mittlerweile interessiert sich auch die Europäische Union für den Fall. Gestern erfuhren die LN zudem von zwei weiteren Infizierten, die sich womöglich im Lübecker „Kartoffelkeller“ mit dem gefährlichen Erreger angesteckt haben. Die beiden jungen Frauen aus Hessen hatten bereits am 8. Mai in dem Lokal gespeist.
„Eine Woche später sind beide gleichzeitig schwer an HUS erkrankt, obwohl sie seit dem Essen nicht mehr gemeinsam unterwegs waren“, berichtet Angehörige Bärbel R. Beide Frauen, denen es inzwischen wieder besser gehe, hätten zudem als einzige Personen am Tisch den gleichen Salat gegessen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, stiege die Zahl der Erkrankten, die im Mai in dem Restaurant gegessen haben, auf 19 Personen. Nach LN-Informationen wurden aber auch einzelne EHEC-Fälle aus anderen Lübecker Restaurants bekannt.
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„Kartoffelkeller“-Wirt Joachim Berger zeigte sich gestern entsetzt über die Vorfälle. „Wir arbeiten immer sauber und ordentlich, haben einen guten Ruf – und jetzt trifft uns so etwas“, sagte Berger. Dass so viele Menschen krank geworden seien, tue ihm leid. „Aber das hätte überall passieren können. Wir arbeiten mit unseren Gemüse-Lieferanten schließlich seit Jahren vertrauensvoll zusammen.“ Berger hofft jetzt auf eine schnelle Aufklärung. Montag sollen erste Untersuchungsergebnisse vorliegen.
Jens Musche, Vorsitzender des Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Lübeck, sprang seinem Kollegen gestern bei: „Es hat keinen Hygieneverstoß gegeben, den irgendjemand verschuldet hat. Der Ausbruch hätte in jedem Lokal passieren können“, so Musche. In allen Lübecker Restaurants werde jedoch alles Menschenmögliche unternommen, die um Gäste zu schützen. „Da lege ich für meine Kollegen die Hand ins Feuer“, so der Dehoga-Chef. Gleichwohl sei es positiv, dass über das Restaurant jetzt erstmals eine Spur zur Infektionsquelle verfolgt werden kann.
Das Gesundheitsministerium in Kiel bestritt unterdessen, mit dem Lübecker Lokal eine heiße Spur zu verfolgen. Die EU sieht das anders: EU-Experten warten auf Testergebnisse aus dem Lokal, teilte die EU-Kommission gestern mit und bot Unterstützung bei der Fahndung nach dem Erreger an.
Obwohl die Infektionen mehrere Wochen zurückliegen, besteht noch Hoffnung, auf den gefährlichen Keim zu stoßen. „Es hat sich hier auf etwas verengt, wo man vielleicht besser an die Quelle herankommt“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller. Die Räumlichkeiten in Lübeck würden komplett untersucht. Müller: „Hier wird wirklich akribisch, detektivisch jede Schublade, jede Gabel, jedes Lebensmittel einmal umgedreht.“
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