„Natürlich mache ich beim nächsten Mal wieder mit. Für so etwas kann ja niemand etwas.“ Raoul Dollerschell (18) aus Breuberg im Odenwald zieht seinen Reisekoffer hinter sich her: Abreise statt Abschlussfete. Ein solches Aufgebot an Rettungswagen hat Bad Segeberg seit Jahren nicht erlebt: Von den 700 Teilnehmern des „Camp D“ auf der Rennkoppel - junge Diabetiker und sowie Ärzte und Betreuer - erkrankten über 200 an Brechdurchfällen, 150 von ihnen mussten noch in der Nacht zum Sonntag in Krankenhäuser nach Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gebracht werden. Bei vier von ihnen wurde am Sonntagmittag der Noro-Virus nachgewiesen „Das ging die ganze Nacht so, bis in den frühen Morgen“, erzählt Camp-Teilnehmer Rainer Schebsdat (21) aus dem südhessischen Lampertsheim. „Bei den Ersten fing Übelkeit, Erbrechen und Durchfall schon am Sonnabendmittag an. Mit Einbruch der Dunkelheit kamen dann die ersten Krankenwagen.“
Die Ärzte aus dem Camp waren angesichts der Masse der Erkrankten schnell überfordert: Notärzte aus den umliegenden Kreisen wurden eilends herangerufen. Insgesamt wurden 25 Rettungs- und 30 Krankentransportwagen eingesetzt. Die Bad Segeberger Feuerwehr sperrte die Zufahrten ab und wies die Rettungswagen ein.
Lebensbedrohlich erkrankt ist von den Teilnehmern bisher offenbar niemand. Bei vier der Patienten wurde mittlerweile der gefährliche Noro-Virus nachgewiesen. Ein Schnelltest in der Nacht zum Sonntag hatte diesen Virustyp anfangs noch ausgeschlossen. Inzwischen aber hätten Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes Segeberg und andere Einsatzkräfte die Ursache der Brechdurchfälle ermittelt, sagt Landrätin Jutta Hartwieg. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes hätten noch in der Nacht nicht nur nach Ursachen geforscht, sondern selbst mitgeholfen, die über 200 Erkrankten zu behandeln.
Die Segeberger Kliniken nahmen noch in der Nacht 41 der Erkrankten auf. „Wir bekamen um 2.20 Uhr die ersten Meldungen“, sagt Robert Quentin, Pressesprecher der Kliniken. Eilends wurde ein Krisenstab gebildet, die Chefärzte aus dem Wochenende geholt, 15 zusätzliche Pfleger und Krankenschwestern herbeigerufen. Da die Betten auf der Intensivstation nicht ausreichten, wurde elf der 41 Patienten in die Herzklinik verlegt. Zwar sei bei keinem der Erkrankten eine unmittelbare Lebensgefahr gegeben, doch stünden die Mediziner vor der schwierigen Aufgabe, dass besonders Typ-1-Diabetiker bei Infektionen und Infusionen schwierig zu behandeln seien, da zugleich der Zuckerhaushalt stimmen müsse, erklärte Quentin.
An den hygienischen Verhältnissen im Camp, da waren sich alle Beteiligten schnell einig, könne es nicht gelegen haben. Das „Camp D“ ist seit 2006 bereits das dritte dieser Art, für junge Diabetiker von den Pharma-Konzernen Bayer und Novo Nordisk in Bad Segeberg organisiert. Beim größten Zeltlager dieser Art für Diabetiker in Europa lebten die 700 Teilnehmer und Betreuer vier Tage lang in 400 Zelten. Es standen ausreichend sanitäre Einrichtungen - unter anderem mit 20
Für Angehörige wurde eine Hotline eingerichtet. Betroffene können
unter 0170/6311627 fragen, in welchem Krankenhaus ihre Angehörigen behandelt werden.
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