Vier ihrer Kollegen sollen harte Drogen wie Kokain konsumieren, einer sogar mit den illegalen Stoffen handeln. Gegen alle vier ermittelt die Lübecker Staatsanwaltschaft.
„Wir sind ziemlich baff und können uns das nicht erklären“, sagt Bernd Neumann, stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr. Er versichert, die Berufsfeuerwehr werde die Ermittler tatkräftig unterstützen. „Wir werden das nicht auf sich beruhen lassen.“ Man werde aber nicht sinnlos irgendwelche Arbeitsgruppen zur Drogenprävention bilden. Mit einem Team zur Psychologischen Unterstützung und städtischen Angeboten sei man eigentlich gut aufgestellt.
Auch Personalrat Peter Tengler ist erschüttert. „Ich wurde von der Nachricht völlig überrascht“, sagt er. Tengler überlegt, eine Personalversammlung einzuberufen, um über die Fälle zu sprechen. Er will die Ermittlungen abwarten, doch sollte es sich um eine Straftat handeln, „dann müssen diejenigen sich der Verantwortung stellen“. Tengler ist auch besorgt um das Ansehen seines Berufsstandes: „Die Vorfälle sind dazu angetan, unseren Ruf schwer zu beschädigen.“
Die Politik ist ebenfalls überrascht. „Was da passiert ist, ist ein Unding“, konstatiert Oliver Dedow von den Bürgern für Lübeck (BfL). Unverständlich für Dedow ist, dass das Verhalten der vier Beamten dem Dienstherren nicht aufgefallen ist. Selbst wenn die Einnahme ein paar Tage zurückliege, „dann merkt man das“, sagt Dedow, der als Anwalt für Strafrecht auch mit Drogenkonsumenten zu tun hat. Vor allem die Beschaffung mit einem Dienstfahrzeug während der Arbeitszeit sei „ein Missbrauch, der besonders verwerflich ist“.
Dort legt auch Rüdiger Hinrichs (CDU) den Finger in die Wunde. „Wer darf wann auf welches Fahrzeug zugreifen?“, will er wissen. Da müsse Innensenator Bernd Möller (Grüne) für Aufklärung sorgen. Hinrichs will über das Thema im kommenden Ausschuss für Sicherheit und Ordnung sprechen. Hinrichs lobt das „konsequente Vorgehen“ gegen die betroffenen Feuerwehrleute.
Für Wolfgang Sasz, Leiter der Awo-Drogenhilfe, kommt die Meldung nicht unerwartet. „Drogen sind Teil der Gesellschaft, die Feuerwehr ist Teil der Gesellschaft.“ Die Beamten könnten allerdings durchaus anfälliger sein. „Stress und schlimme Erlebnisse können Auslöser sein“, sagt Sasz. „Es steckt eine große Anforderung dahinter, das Leid zu verkraften.“ Doch Drogen seien keine Lösung. Sie machen das Erlebte nur scheinbar leichter.
Werden die vier Feuerwehrmänner für schuldig befunden, müssen sie mit empfindlichen Strafen rechnen. Wer illegale Drogen in „nicht geringen Mengen“ (bei Cannabis rund 100 Gramm) besitzt, muss mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr rechnen. Doch fernab der juristischen Strafen drohen den Beamten auch dienstrechtliche Konsequenzen. Je nach Schwere ihrer Tat kann die Stadt einen Verweis, eine Geldbuße oder die Kürzung des Gehaltes veranlassen. In schwerwiegenden Fällen wird das Innenministerium eingeschaltet. Nur von ihm kann ein Beamter degradiert oder rausgeworfen werden. Ist ein Beamter rechtskräftig zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt – ob auf Bewährung oder nicht – dann wird er automatisch aus dem Dienst entfernt und verliert seine Pensionsansprüche.
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