Fristlos gekündigt: In einer kleinen Firma sind drei Mitarbeiter rausgeworfen worden, weil sie einen Betriebsrat gründen wollten. Zwei Tage nach dem Versuch lag die Kündigung im Briefkasten. Die Geschäftsführung will die Gründung mit aller Macht verhindern, so der Vorwurf. Die Gewerkschaft Ver.di ist eingeschaltet und setzt sich für die Belegschaft ein.
Die Firma hat eine Niederlassung auf dem LHG-Gelände am Nordlandkai. Dort verladen die Angestellten im Auftrag von Speditionen tonnenschwere Papierrollen auf Lkw. Nach LN-Informationen soll zwei Mitarbeitern ohne Angabe von Gründen gekündigt worden sein. Der Dritte sei auf dem Firmengelände zu schnell gefahren.
Die rund 30 Mitarbeiter sind seither eingeschüchtert. „Die Angst ist da“, bestätigt Mitarbeiter Peter Müller (Name von der Redaktion geändert). Er berichtet von schlechten Zuständen innerhalb der Firma. Ungelernte Kräfte würden gefährliche Arbeiten ausführen – teilweise ohne Sicherheitskleidung. Müller: „Es ist ein gefährlicher Job.“ Hand- und Nasenbrüche seien schon passiert. Auch der Lohn sei schlecht, das Einstiegsgehalt liege lediglich bei 1400 Euro brutto.
An dieser Situation wollten die drei Angestellten etwas ändern. „Es besteht in unserem Unternehmen bislang noch kein Betriebsrat, der die Interessen der Belegschaft vertreten könnte“, heißt es in der Bekanntmachung. Das bestätigt auch Mitarbeiter Müller: „Wir wollen mitreden und mitgestalten.“ Sofort nach den Rauswürfen habe die Firmenleitung nach seinen Angaben Druck auf die Belegschaft ausgeübt. „Sie hat bei einem Treffen in aller Deutlichkeit gesagt, dass sie keinen Betriebsrat will“, so Peter Müller. Sollte doch einer gegründet werden, müssten sie damit rechnen, dass alle Arbeitsplätze verloren gingen. Die Geschäftsführung will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. „Kein Kommentar“, hieß es gestern gegenüber den LN.
Die Gewerkschaft Ver.di hat sich nun hinter die Belegschaft gestellt. Silvia Reichert vom Fachbereich Verkehr berät die Gekündigten und setzt sich für einen Betriebsrat ein. Die Verhinderung sei „eine Frechheit schlechthin“. Reichert hat den geplanten Wahltermin am 11. August abgehalten. Allerdings traute sich niemand, als neuer Wahlvorstand zu kandidieren. „Viele haben Angst, dass ihnen dann auch gekündigt wird“, so die Ver.di-Frau.
Jetzt soll das Arbeitsgericht einen Wahlvorstand bestellen – den muss das Unternehmen akzeptieren. Die Entlassenen haben ebenfalls Klage eingereicht, der erste Betroffene hatte seinen Termin am vergangenen Montag. Nach LN-Informationen lehnte die Geschäftsführung die Wiedereinstellung ab. Lieber zahle sie eine Abfindung. Der Prozessauftakt ist nun für den 2. November geplant.
Der angestrebte Betriebsrat am Nordlandkai ist damit allerdings nicht vom Tisch. Die Gründung könne nur aufgeschoben, aber nicht verhindert werden, so Gewerkschafterin Reichert. „Der Betriebsrat kommt.“
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