Der Rettungsdienst im Kreis Herzogtum Lauenburg steht vor wesentlichen Verbesserungen. Nach der langen Suche nach den Gründen für Hilfsfristüberschreitungen steht jetzt fest, dass die Notfallretter weder personell noch materiell ausreichend ausgestattet sind, um Unfallopfern und Akut-Erkrankten ausreichend schnell helfen zu können.
Zu dieser Erkenntnis ist Dr. Emil Betzler von der Forplan Dr. Schmiedel GmbH aus Bonn gekommen, der den vom DRK organisierten Rettungsdienst Mitte September unter die Lupe genommen hat. Grundlage der Überprüfung war das neue schleswig-holsteinische Frühwarnsystem, mit dem festgestellt werden soll, ob die Rettungsmittel für das aktuelle Notfallaufkommen ausreichend sind.
In einem Schreiben an den Kreis, der für die Notfallrettung zuständig ist, resümierte der Gutachter Eindeutiges. Nach seiner Einschätzung ist die Ausstattung der Notfallhelfer „gemessen am derzeitigen Einsatzfahrtaufkommen“ im Lauenburgischen „nicht mehr bedarfsgerecht“. Dr. Betzler empfiehlt dem Kreis dringend, die Bemessungsgrundlage für die Bereitstellung der Rettungsmittel aus dem Jahre 2005 zu aktualisieren. Der Kreisinnenausschuss greift das Thema übermorgen auf. Den Politikern wird ein Beschlussvorschlag vorliegen, der diese Fortschreibung empfiehlt. Mit anderen Worten: Das ebenfalls von der Firma Forplan vor sechs Jahren erstellte Gutachten zur Ausstattung des Rettungsdienstes soll aktualisiert werden. Die Krankenkassen finanzieren solche Expertisen.
Bei der Überprüfung durch Dr. Betzler ging es unter anderem um die Frage, ob die sechs Rettungswachenbereiche im Kreisgebiet dem Sicherheitsniveau der Landesvorgaben entsprechen. Anders ausgedrückt geht es um die Frage, ob die Notfallhelfer personell und technisch in der Lage sind, die auf Hilfe wartenden Opfer von Unfällen und Erkrankungen ausreichend schnell zu erreichen. Die auf bestimmte Tage und Uhrzeiten differenzierten Ergebnisse zeigen zum Beispiel an, dass in den Rettungswachenbereichen Lanken und Basedow von montags bis freitags zwischen 7 und 15 Uhr das Sicherheitsniveau nicht mehr ausreichend ist. In Geesthacht gibt es unter anderem Handlungsbedarf an den Wochenenden zwischen 23 und 7 Uhr, in Ratzeburg an Sonntagen von 15 bis 23 Uhr.
Schlagzeilen machten die Überschreitungen von Hilfsfristen im Kreisgebiet zuletzt vor allem für Büchen und Lauenburg. Deshalb wurde versuchsweise ein Rettungswagen nach Büchen verlegt. Damit ließen sich die Probleme jedoch nicht lösen. Der Kreis beschloss daraufhin, auf das Frühwarnsystem „zur Erkennung von Vorhaltedefiziten im Rahmen der Notfallrettung“ zurück zu greifen. Gutachter Betzler machte sich an die Zusammenstellung der Zahlen, wobei er die „konstruktive und offene Zusammenarbeit“ in Ratzeburg ebenso lobte wie die „unbürokratische Organisation“ und die „Datenkompetenz des DRK“.
Geprüft wurden vom Gutachter die Zahlen des vergangenen Jahres mit 10 116 Notfällen und 13 227 Krankentransporten. Betzler stellte unter anderem fest, dass das Aufkommen an Einsatzfahrten inzwischen bei den Notfällen um 40 Prozent und bei den Krankentransporten um 30 Prozent über der Bemessungsgrundlage von 2005 liegt – bei unveränderter „Rettungsmittelvorhaltung“. Mit zusätzlichen Kapazitäten für den Krankentransport lassen sich die Mängel in der Notfallrettung nach den Erkenntnissen des Gutachters „nur geringfügig korrigieren“.
Eingesetzt werden vom DRK zurzeit rund 90 Personen im lauenburgischen Rettungsdienst. Ihr Fuhrpark umfasst 15 Fahrzeuge. Zu den sechs Rettungswachenbereichen gehören Standorte in Ratzeburg, Mölln, Steinhorst, Lanken, Schwarzenbek, Lehmrade, Basedow und Geesthacht. Die Sitzung des Innenausschusses beginnt übermorgen um 16 Uhr in der Zulassungsstelle in Lanken.
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.
