Kiel – Es scheint keine Utopie mehr, dass Schleswig-Holstein tatsächlich zum „Las Vegas“ des Nordens wird: Nach der Liberalisierung des Glücksspielmarkts stehen die Bewerber Schlange. Nach Angaben des Innenministeriums haben sich bereits 28 private Wettanbieter in Kiel um eine Lizenz angefragt. Die Unternehmen wollen Lotto, Casinospiele, Poker und Sportwetten online anbieten. Mit seiner Einstimmen-Mehrheit im Landtag hatte Schwarz- Gelb beschlossen, Beschränkungen für Vertrieb und Werbung von Online-Spielen weitgehend aufzuheben.
„Es war zu erwarten, dass dieses Gesetz dazu führt, dass sich die Glücksspielritter hier versammeln – das ist, wie wenn man das Licht anmacht und in Scharen die Motten kommen“, sagt SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Kritik kommt auch von den Grünen. „Wir werden Anlaufstelle für ein internationales Glücksspiel-Angebot. Wir werden damit zu einem Spieler-Eldorado, das wir als familienfreundliches Tourismusland nie werden wollten“, so Monika Heinold.
Ganz anders sieht das die CDU. „Der Andrang zeigt deutlich, dass die Anbieter in einem legalen Markt spielen wollen und bereit sind, dafür Abgaben zu zahlen“, sagt Hans-Jörn Arp. Die Online-Unternehmen schätzten „die Rechtssicherheit, die wir ihnen bieten“. Bislang agieren die Online-Unternehmen notgedrungen vom Ausland aus. Da das für Internet-Spieler kein Hindernis darstelle, so argumentiert die Regierungskoalition, habe Schleswig-Holstein sich bislang Einnahmen für den Landeshaushalt entgehen lassen.
„Auch wir wollen nach Schleswig-Holstein, warten aber noch auf eine Konkretisierung der Lizenzbedingungen“, heißt es beim bwin. Der große Wettanbieter agiert noch von Österreich aus, mit einer Lizenz aus Gibraltar. In den Steuerparadiesen Malta und Gibraltar gibt es immer noch die Billiglizenzen. Um die Anbieter auch von dort wegzulocken, hat die Landesregierung beschlossen, dass die Lizenzen im Norden nur eine kleine Gebühr kosten. Die Glücksspielbetreiber müssen auf ihren Gewinn allerdings eine Konzessionsabgabe in Höhe von 20 Prozent zahlen.
Möglicherweise profitiert auch der VfB Lübeck vom Werbeauftrag eines Wettanbieters. „Es gab eine Anfrage. Er werden weitere Gespräche stattfinden“, sagt Florian Möller, Leiter der Geschäftsstelle.
Aus anderen Bundesländern kommt Kritik am schleswig-holsteinischen Alleingang. Einvernehmen will Kiel auf einer Ministerpräsidenten-Konferenz am 27./28. Oktober in Lübeck herbeiführen. Ziel sei eine länderübergreifende Vereinbarung, so das Finanzministerium. Seiten 2, 8 und 19
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