Dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen sollen – darüber sind sich schnell alle einig. Über den Weg dorthin wird aber heftig gerungen. Feste Quote oder freiwillige Selbstverpflichtung? Selbst die beiden CDU-Ministerinnen Kristina Schröder und Ursula von der Leyen sind uneins in dieser Frage. In den größten deutschen börsennotierten Unternehmen sind von den knapp 190 Vorstandsmitgliedern nur 7 Frauen – das sind knapp vier Prozent. Daran wird sich vielleicht nicht viel ändern. Denn die Vertreter der 30 Dax-Konzerne erklärten gestern zwar in Berlin, sie wollten den Anteil von Frauen mit Führungsjobs bis 2020 auf bis zu 35 Prozent steigern. Aber für Vorstand und Aufsichtsrat gelten diese Ziele der Konzerne nicht, man ziele auf Spitzenjobs im mittleren und oberen Management hin. Von der Leyen gehen diese Pläne nicht weit genug: „Ich hätte mich gefreut, wenn es eine klare Aussage gegeben hätte, wie es weitergeht mit Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten.“
Das Thema beschäftigt aber nicht nur Dax-Konzerne, sondern auch die mittelständisch geprägte Wirtschaft im Norden. „Ich habe das selbst in den USA erlebt: Die Frauenquote hat die Entwicklung beflügelt“, sagt Angelika Strait- Binder, Geschäftsführerin der Firma Niederegger in Lübeck. „Ich bin auf der Seite von Frau von der Leyen. Es tut sich nichts ohne Quote, wahrscheinlich kommen wir nicht um sie herum“, sagt sie. Allerdings müssten auch die Rahmenbedigungen für Frauen in der Kinderbetreuung verbessert werden. „Andere Länder machen vor, wie es geht.“ Und Frauen müssten den richtigen Partner dafür haben, sagt Angelika Strait-Binder, die mit ihrem Mann die Firma führt.
„Die Quote ist das äußerste Mittel, besser wäre, das anders zu regeln“, sagt Gülten Bockholdt, eine von zwei Frauen im sechsköpfigen Vorstand der in der Gebäudereinigungsbranche tätigen Bockholdt- Gruppe. „Wenn wir an die skandinavischen Länder rankommen wollen, müssen wir Vorbereitungen treffen. Die Grundschule muss verlässlich sein, aber es müsste auch zum Beispiel mehr Krippenplätze geben“, sagt die Unternehmerin. Jede Frau, die gut sei, würde ungerne aus rein geschlechtsspezifischen Gründen in eine Position kommen. „Frauen sollen aufgrund von Leistungen gewählt werden“, sagt Gülten Bockholdt.
„Wir wollen unsere ausgeschriebenen Stellen optimal besetzen. Dabei gibt immer die Qualifikation der Bewerber den Ausschlag, nicht ihr Geschlecht“, sagt Dräger-Sprecherin Melanie Kamann. Mit Carla Kriwet sitzt seit Januar eine Frau neben vier Männern im Vorstand. Sie ist für Vertrieb und Marketing zuständig und zurzeit auf Dienstreise in den USA – und daher nicht zu erreichen. Bei Dräger sei eine Frauenquote gegenwärtig kein Thema von Priorität. „Ich finde die Geschlechterfrage total überbewertet. Bei uns gab es immer schon Frauen in Führungspositionen. Die Auswahl erfolgt bei uns ausschließlich nach Qualifikation“, sagt Vorstandschef Stefan Dräger.
„Im Handwerk braucht es keine Quote, das regeln die Betriebe von selbst“, sagt Ulf Grünke, Sprecher der Handwerkskammer Lübeck. In den meisten von Männern geführten Betrieben arbeiteten die Frauen als Chefinnen mit. „Um Frauen in Führungspositionen zu bringen, ist keine Quote notwendig, die Rahmenbedingungen müssen stimmen: Das heißt vor allem Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, sagt Lars Schöning, Vize- Hauptgeschäftsführer IHK zu Lübeck.
Der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) findet die Beschlüsse der Dax-Unternehmen „zu lasch“. Die Ziele machten deutlich,„dass einige Unternehmen erheblich weniger tun, als sie müssten und sollten“, sagte VdU-Präsidentin Petra Ledendecker.
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