Hintergrund ist, dass in Deutschland jährlich mehrere Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel im Müll landen. Der Vorsitzende des Bundestags-Ernährungsausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), hält den englischen Hinweis „best before . . .“ („am besten vor dem . . . verzehren“) für eine Alternative. Einige Koalitionspolitiker halten dies für sinnvoller, weil Verbraucher das Mindesthaltbarkeitsdatum oft als Verfallsdatum interpretieren und noch gute Lebensmittel wegwerfen. Der Ernährungsausschuss des Bundestages wird sich heute mit dem Thema beschäftigen.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) plant bisher keine Änderung beim Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Vorschriften zum Mindesthaltbarkeitsdatum und zum Verbrauchsdatum seien auf EU-Ebene einheitlich geregelt worden. In der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung ist festgelegt, dass bei den meisten Produkten so ein Datum auf die Packung gehört.
„Ich glaube nicht, dass ein neuer Begriff das Problem löst. Wir brauchen stattdessen eine verstärkte Aufklärung über die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums“, sagt Gudrun Köster, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Das Datum ist eine unverzichtbare Orientierung. Man muss es nur richtig interpretieren.“ Grundsätzlich vom Mindesthaltbarkeitsdatum zu unterscheiden sei das Verbrauchsdatum, das auf leicht verderblichen Waren wie Hackfleisch oder verpacktem Fisch aufgedruckt sei. Diese Waren sollten über das Datum hinaus nicht mehr verzehrt werden.
„Wie wohl jeder Händler sind wir gegen die Vernichtung von Lebensmitteln und gehen verantwortungsvoll mit ihnen um“, sagt Anika Spallek von der Coop eG, die viele Sky- und Plaza-Märkte betreibt. Da werde bedarfsgerecht bestellt. „Statt eine Umbenennung der Haltbarkeitskennzeichnung vorzunehmen, sollte verstärkt daran gearbeitet werden, die Verbraucher umfassend über einen richtigen Umgang mit Lebensmitteln und ihre Lagerung zu informieren“, sagt sie. Waren, die bis zum Ablauf der Mindesthaltbarkeit nicht verkauft seien, müssten leider entsorgt werden, so Spallek.
Typische Produkte mit Mindesthaltbarkeit wie Wurst, Molkereiprodukte und Käse würden zunächst reduziert zum Verkauf angeboten, sagt Julian Stewen (26), Edeka-Marktleiter in der Lübecker Ziegelstraße. Auch er versucht die Waren möglichst gut zu disponieren und sieht „keine Alternative“ zum Mindesthaltbarkeitsdatum.
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