Tag der Wahrheit für Deutschlands fast 400 Städte und Gemeinden mit Bundeswehr-Kasernen: Welche Standorte lässt Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) im Zuge der Bundeswehrverkleinerung schließen? Heute Mittag will er sein Konzept der Öffentlichkeit vorstellen. Gestern war in Berlin bereits von 30 Schließungen und Truppenabbau an 58 weiteren Standorten die Rede. Und: Schleswig-Holstein solle das Flottenkommando in Glücksburg verlieren. Entsprechende Hinweise verdichteten sich gestern in der Hauptstadt.
Die Suche nach der perfekten Armee
Abstimmen: Ist es sinnvoll, die Bundeswehrstandorte im Norden zu schließen?
Das Flottenkommando soll demnach in einem neuen Marinekommando in Rostock aufgehen. Im Gegenzug würden Korvetten aus Rostock nach Kiel verlegt. Die Nachrichtenagentur dapd meldete zudem bereits, dass auch der Marinestützpunkt Eckernförde mit seinen U-Booten und Kampfschwimmern aufgelöst werden solle. Insgesamt wird die Stärke der Bundeswehr von derzeit 210 000 auf 185 000 im Jahr 2017 sinken. „Das wird zu gewaltigen Veränderungen führen“, hat de Maizière angekündigt.
In Schleswig-Holstein gibt es 40 Standorte, kleine mit gerademal einer Handvoll Mitarbeiter und große wie Kiel mit 4390 Dienstposten. Insgesamt tun im Land rund 26 000 Soldaten und Zivilangestellte Dienst bei der Bundeswehr. Das Land, im Kalten Krieg strategisch bedeutsam, liegt mit 9,2 Beschäftigten im Dienst der Bundeswehr pro 1000 Einwohnern bundesweit immer noch vorn. Die Kasernen sind Standortfaktoren, die Soldaten bringen Kaufkraft in die Region.
Auch für Eutin ist es der „Tag der Wahrheit“. Hier ist das Aufklärungsbataillon 6 stationiert. „Für Eutin wäre eine Schließung des Standorts nicht zu verkraften“, mahnte Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) noch einmal. Beobachter in Berlin gingen gestern allerdings immerhin schon davon aus, dass die Chancen auf einen Verbleib der Aufklärer in Eutin „eher gut als schlecht“ stünden. Düsterer sehe es demnach für die Flugabwehrtruppe in Lütjenburg (Kreis Plön) aus. Der Standort stehe auf der Kippe. In Boostedt (Kreis Segeberg) geht es um rund 2000 Logistik- und Instandsetzungs-Soldaten. Hier könnte es zumindest zu einem Truppenabbau kommen, hieß es. Die Landesregierung habe sich in Berlin vor allem mit funktionalen Argumenten für den Erhalt der Standorte stark gemacht, betont Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). So seien zum Beispiel die Spezialpioniere in Husum für Nothilfe bei Sturmfluten besonders wichtig, bräuchten dafür aber auch schweres Gerät und Logistik.
Die Bundeswehrreform wird auch Thema der Ministerpräsidentenkonferenz morgen in Lübeck sein.
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