Notarzt-Notstand in Lübeck: Innensenator Bernd Möller (Grüne) und der städtische Rettungsdienst fordern dringend personelle Verstärkung. Bislang gibt es in der Hansestadt nur einen mobilen Retter. Die Einsatzzahlen aber steigen seit Jahren kontinuierlich. Täglich muss der Notarzt aus Bad Schwartau den Lübecker Kollegen zur Hilfe eilen. „Wir können den Bedarf nicht mehr decken“, mahnt Möller. Er fordert von den Krankenkassen dringend ein zweites Einsatzfahrzeug.
Bekommt Lübeck einen zweiten Notarzt?
„Lübeck hat ein gewaltiges Notarzt-Defizit, das für Patienten im Ernstfall lebensbedrohlich sein kann“, mahnt Florian Gottschalk vom privaten Rettungsdienst KBA aus dem Kreis Segeberg. Wie dramatisch der Engpass ist, zeigt der jüngste Fall: Bei einem Fußballspiel in Groß Grönau waren am Sonntag zwei Spieler mit den Köpfen zusammengeprallt (die LN berichteten). Da Lübecks einziges Notarzt-Einsatzfahrzeug in Schlutup im Einsatz war, musste ein Mediziner aus Ratzeburg alarmiert werden – obwohl die Uniklinik nur Minuten vom Einsatzort entfernt liegt.
Die Stadt fordert nun Konsequenzen. „Der Bedarf kann nicht mehr gedeckt werden, ein zweites Fahrzeug muss her“, so Möller. Die Einsatzzahlen sprechen für sich: Gab es 2009 nach Angaben des städtischen Rettungsdienstes 6133 Einsätze, bei denen ein Notarzt gefordert war, waren es 2010 bereits 6529. „Und der Trend geht weiter nach oben“, sagt Marco Lihring, Leiter des Lübecker Rettungsdienstes. Schon jetzt seien die Einsatzzahlen „so hoch, dass wir es kaum noch schaffen können“. Die Stadt sei auf die Zusammenarbeit mit den umliegenden Kreisen angewiesen. Zum Vergleich: In den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn gibt es jeweils drei Notarzt-Fahrzeuge für insgesamt 413 000 Einwohner. Auch Kiel (236 000) – mit kaum mehr Einwohnern als Lübeck (212 000) – hat immerhin zwei mobile Notärzte im Einsatz. „Es ist Eile geboten“, mahnt Senator Möller, „der Bedarf in Lübeck ist wirklich dringend.“
Bisher habe es keinen Fall gegeben, in dem ein Mensch gestorben sei, weil der Notarzt zu spät kam. Möller: „Aber so weit darf es auch nicht kommen – deswegen müssen wir jetzt aktiv werden.“ Wenn es nach ihm geht, soll schon zum 1. Januar 2012 ein zweites Notarztfahrzeug in Betrieb genommen werden. Die Stadt fordert einen Zwei-Schicht-Betrieb, täglich zwischen 7 und 23 Uhr, kalkuliert mit Kosten von 400 000 Euro pro Jahr.
Ein Antrag an die Krankenkassen als Kostenträger ist gestellt – eine Entscheidung gibt es noch nicht. „Wir haben noch Klärungsbedarf“, sagt Florian Unger vom Verband der Ersatzkassen. Grundsätzlich sei der Bedarf aber unstrittig. „Dass jeder zweite Einsatz des Bad Schwartauer Notarztes auf Lübecker Stadtgebiet stattfindet, ist eindeutig“, so Unger.
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