„Die Menschen sollten vorsichtiger sein, welche Informationen sie im Web preisgeben“, sagt Stefan Jung vom Landeskriminalamt in Kiel. Vor allem jetzt sei besondere Vorsicht geboten: Die Anzahl so genannter Dämmerungseinbrüche steigt sprunghaft an.
Dämmerungseinbrüche: LKA mahnt zu Wachsamkeit
„Winterzeit ist Einbrecherzeit“, mahnt Jung. 6778 Einbrüche in Wohnungen und Häuser zählten die Ermittler im vergangenen Jahr – fast zehn Prozent mehr als 2009. Beinahe dramatische Zuwäche verzeichnet die Polizei in Lübeck. Mit 803 Straftaten wurden zuletzt beinahe 50 Prozent mehr Einbrüche angezeigt als noch im Jahr zuvor. „Die größte Gefährdung gibt es in der Dämmerungsphase, die von Kriminellen ausgenutzt wird, um im Schutz der Dunkelheit unentdeckt in unbeleuchtete Häuser und Wohnungen einzubrechen“, sagt der LKA-Fahnder. Die Diebe würden auf „Lebenszeichen“ achten. Jung: „Wo kein Licht brennt oder niemand auf ein Probeklingeln reagiert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass niemand zu Hause ist.“
Doch längst nutzen professionelle Täter auch das Internet, um Einbrüche zu planen. Eine Befragung des britischen Unternehmens „Friedland“ unter 50 Ex-Einbrechern ergab: 78 Prozent von ihnen können sich vorstellen, ihre „Kollegen“ nutzen den Leichtsinn von potenziellen Opfern in sozialen Netzwerken aus. Ob Einträge wie „Fahre jetzt zur Arbeit“ bei Twitter oder „Morgen geht’s zwei Wochen nach Mallorca“ bei Facebook seien für Einbrecher äußerst reizvoll. Noch schlimmer seien Programme wie Foursquare, bei dem das Handy in regelmäßigen Abständen Hinweise postet, wo sich der Nutzer gerade aufhält. „Solche Daten gehören nicht ins Netz“, sagt Jung und mahnt zu einem sensibleren Umgang mit persönlichen Informationen. „Speziell jüngere Menschen neigen zu Unbedarftheit, veröffentlichen auch gern Bilder von neuen Autos, Uhren oder Fernsehern.“ Das kann fatale Folgen haben: „Wer sein Profil nicht schützt, teilt Kriminellen unfreiwillig mit, wo etwas zu holen ist.“
Eine Einschätzung, die Detlef Hardt von der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Lübeck teilt. Früher seien überquellende Briefkästen Indikator für Einbrecher gewesen. „Heute nutzen Cyberkriminelle längst den gedankenlosen Austausch, um Abwesenheitszeiten, Adressen und lohnende Objekte zu erfahren“, warnt Hardt.
Bärbel Reichelt von der Provinzial-Versicherung in Kiel bestätigt den Trend. „Seit Jahren ist bekannt, dass Einbrecher Familienanzeigen studieren. Jetzt sind soziale Netzwerke hinzugekommen“, sagt Reichelt. Um sich zu schützen, sollte niemals die Anschrift im Netz veröffentlicht werden. Seite 5
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.
