Die Umbenennung des Stadions Lohmühle in „Pokerstars.de-Stadion“ sorgt landesweit für hitzige Debatten. Der VfB Lübeck kassiert dafür pro Saison 120 000 Euro von seinem neuen Sponsor. Suchtexperten warnen jetzt davor, einen Glücksspielanbieter mit der Namensgebung gesellschaftsfähig zu machen.
Glücksspielgesetz und Staatsvertrag
Die Grünen im Landtag kritisieren den wachsenden Einfluss der Glücksspielbranche. Und die SPD kündigt an, dem VfB Lübeck im Falle eines Wahlsiegs bei der Landtagswahl im Mai womöglich noch einen dicken Strich durch die schöne Sponsoren-Rechnung machen zu wollen.
Hintergrund: Erst das kürzlich von CDU und FDP in Kiel verabschiedete, liberale Glücksspielgesetz erlaubt es Anbietern wie Pokerstars.de oder bwin (der für 200 000 Euro im Jahr künftig bei Handball-Bundesligist THW Kiel auf Brust und Hallenboden stehen darf), von Januar an im Norden Werbung zu machen. Schleswig-Holstein prescht damit als einziges Bundesland vor. Bislang ist Internet-Glücksspiel in Deutschland verboten.
Die SPD hält wegen der ihrer Ansicht nach hohen Spielsuchtgefahr trotzdem an einem Verbot fest und will das CDU/FDP-Glücksspielgesetz bei einem Wahlsieg am 6. Mai in jedem Fall sofort wieder kippen, wie Vize-Fraktionschef Jürgen Weber gegenüber den LN betont. „Wir halten das Gesetz für falsch.“ Damit sei aber auch völlig offen, ob der Vertrag des VfB mit Pokerstars.de überhaupt wirksam werden könne. Die Umbenennung sei ohnehin „an der Grenze der Peinlichkeit“. Für den Fußballverein Holstein Kiel, in dessen Aufsichtsrat Weber sitzt, könne er sich eine solche Namensgebung jedenfalls nicht vorstellen.
Unterstützung kommt von Patrick Sperber, Landeskoordinator für Glücksspielsuchtprävention. „Wir halten Werbung für Glücksspiele für schädlich“, sagt Sperber. Die Umbenennung des Stadions signalisiere, dass es gesellschaftlich in Ordnung sei, dass gespielt wird. Die Aufmerksamkeit werde auf die Angebote gelenkt, die Zahl der Spieler steige und damit auch die Zahl jener, „die damit Probleme haben“.
Die Grüne Monika Heinold greift derweil die FDP scharf an. Das Gesetz sei noch gar nicht in Kraft getreten, der Ministerpräsident habe die Tür für eine bundesweit einheitliche Lösung noch offen gelassen, doch in Lübeck würden „mit Hilfe des Vermittlers Kubicki Fakten geschaffen, welche einen Kompromiss der Länder erneut erschweren“. Wieder einmal mache sich die FDP „zum Oberlobbyisten für die Glücksspielindustrie“.
Kubicki kontert, es sei doch „logisch, dass sich in dieser Situation Sportvereine nicht an Politiker der Grünen wenden, sondern an jene, die Problemlösungen erarbeiten können“. Er sei jedenfalls persönlich sehr froh, dass er dem VfB Lübeck in schwieriger Situation habe helfen können.
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