Ratzeburg – Die Bahnstrecke Lübeck-Lüneburg stellt für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität ein Problem dar. Fast alle Bahnsteige von Ratzeburg, Büchen, Mölln und Lauenburg weisen keine Normhöhen für barrierefreie Einstiege in die modernen Regionalzüge des Typs VT 648 auf. Wie die Bahn selbst angibt, ist diese Strecke damit landesweit am wenigsten behindertengerecht ausgebaut. Folge ist ein aufwändiges Anmeldeverfahren der betroffenen Reisenden bei der Bahn, damit entsprechende Hilfe geleistet werden kann. Als jetzt zum Ende vergangenen Jahres aus angeblich betriebstechnischen Gründen auch noch ältere Züge vom Typ VT 628 eingesetzt werden mussten, in denen keine mobilen Rollstuhlrampen mitgeführt werden, platze einigen Fahrgästen der Kragen.
Die Behindertenbeauftragte der Stadt Ratzeburg, Sabine Hübner, richtete umgehend eine Anfrage an den so genannten Kundendialog der Deutschen Bahn. Die gab daraufhin zu, aus technischen Gründen im Winter zeitweise die etwas älteren, aber robusteren Zugtypen einzusetzen, die aber nicht über die mobile Einstiegsrampe verfügen. Die Bahn verwies auf das mit den Behindertenverbänden abgestimmte Verfahren der rechtzeitigen Anmeldung. Reisende mit eingeschränkter Mobilität sollten ihre Fahrt demnach bis spätesten drei Tage vor dem gewünschten Termin anmelden. Dann würde dafür gesorgt, das die betreffenden Fahrgäste Hilfe bei ihrer Zugfahrt erhielten.
Allerdings hilft die behindertengerechte moderne Zuggeneration auch nicht immer weiter. Die VT 648- Züge sind überall dort untauglich für Gehandicapte, wo die Bahnsteige noch die alten, niedrigen Höhen (weniger als 76 Zentimeter ab Oberkante des Gleises) aufweisen. Dort funktioniert nämlich die Einstiegshilfe nicht, und es gilt wieder das langwierige Anmeldesystem, damit die Bahn andere Hilfestellungen organisieren kann. Lediglich der Lübecker Hauptbahnhof und der neue Haltepunkt Lübeck-Flughafen weisen ausreichend hohe Bahnsteige auf, der Büchener ist gerade im Bau, Ratzeburgs zweiter alter Bahnsteige wird erst 2013 erneuert.
Sabine Hübner ist über diese „komplizierte und unflexible Lösung“ deutlich unzufrieden: „Gehbehinderte Menschen sind somit zwar nicht für Monate an ihren Wohnort gebunden oder müssen auf die teure Variante Taxi ausweichen. Jede Spontaneität aus Lust oder wegen widriger Witterungsbedingungen bleibt aber ausgeschlossen. Selbstbestimmung und Gleichberechtigung mit anderen ist etwas anderes.“Auch Ratzeburgs Bürgermeister Voß zeigte auf LN-Nachfrage wenig Verständnis für die Bahn: „Ich weiß nicht, was die Bahn AG sich dabei denkt, so geht das nicht.“
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.

