Die Zigarette am Arbeitsplatz ist – bis auf einzelne Enklaven vorzugsweise in Chefetagen – längst tabu. Rauchen geht zumeist nur noch in freudlosen Kämmerchen zwischen Abstellkammer und Herrentoilette oder eben im Freien. Reicht noch nicht, meint jetzt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW). Geht es nach ihm, dann sollen Zigarettenpausen während der Arbeitszeit künftig ganz und gar verboten werden.
Abstimmen: Raucherpause verbieten - eine sinnvolle Idee?
Denn das, sagte Ohoven gegenüber der „Bild“-Zeitung, koste Betriebe wegen der verschwendeten Arbeitszeit bares Geld und störe zudem den Arbeitsablauf in den Betrieben. Bei nur drei fünfminütigen Zigarettenpausen am Tag koste ein Raucher seinen Arbeitgeber pro Jahr mehr als 2000 Euro, hat Ohoven ausgerechnet. Der BVMW-Chef schlägt als alternatives Pausenprogramm „Gymnastik statt Glimmstängel“ vor.
Auf Ohovens Zug aufspringen mochte gestern niemand so richtig. Es sei gewiss wahr, dass die Produktivität zunehme, wenn nicht ständig Raucherpausen eingelegt würden, sagt Sebastian Schulze, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände Hamburg und Schleswig-Holstein (UV Nord). Einen Grund, den Tabakkonsum in Unternehmen noch mehr zu reglementieren, erkennt der UV Nord jedoch nicht. „Die meisten Betriebe haben für sich selbst Lösungen gefunden, damit umzugehen – und es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern.“
Deutlicher mit ihrer Kritik wird der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB): „Das ist eine Winterlochforderung“, sagt Helmut Uder, Sprecher des DGB-Bezirks Nord. In vielen Betriebsvereinbarungen sei heute festgeschrieben, dass Arbeitnehmer ausstempeln müssen, wenn sie rauchen gehen wollen. „Da tritt also überhaupt kein Verlust von Arbeitszeit ein“, sagt Uder. Und es könne auch nicht im Sinne des Arbeitgebers sein, „wenn ein starker Raucher so viel Schmacht hat, dass er sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren kann“.
Die IHK zu Lübeck hat das auch so gelöst. „Mitarbeiter müssen sich zum Rauchen ausbuchen, die Pausen fallen somit nicht in die Arbeitszeit“, sagt Sprecher Can Özren. Und dieser Weg sei bisher auch sehr praktikabel gewesen. Ebenso bei der Eutiner Softwarefirma TimberTec. „Wer rauchen will, stempelt aus“, sagt Marion Sellmann. Ein Verbot sei daher nicht notwendig.
Auch bei anderen Unternehmern und Firmen der Region findet der Vorschlag Ohovens keinen Anklang. „Ein zusätzliches Verbot ist absolut überflüssig. Schließlich kann jeder Arbeitgeber selbst entscheiden, wie er damit umgehen möchte“, sagt Marco Michael vom Lübecker Kunststoffwerk. In seinem Unternehmen haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, zwischendurch Raucherpausen zu machen. „Man muss halt schauen, dass das nicht ausgenutzt und die Arbeit trotzdem gut und sorgfältig erledigt wird“, ergänzt Michael.
Auch Peter Kruse, Standortleiter bei Möbel Kraft in Bad Segeberg, hält wenig von einem Verbot. „Das hat auch was mit Vertrauen in die Mitarbeiter zu tun“, sagt Kruse. „Und solange man nicht das Gefühl hat, hintergangen zu werden, sehe ich da keinen Handlungsbedarf.“ Zudem gäbe es ja neben dem Rauchen auch andere Formen, sich vom Arbeiten abzulenken, merkt Oliver Grundei an, Kanzler der Universität zu Lübeck, die knapp 500 Angestellte hat. „Dann müsste man ja noch viel mehr verbieten. Ich denke, das wäre kontraproduktiv und würde sich nur negativ aufs Betriebsklima auswirken.“
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