In der Stülpnagelstraße im Lübecker Stadtteil St. Gertrud wird fleißig gebohrt, gesägt, geschraubt und gehämmert. Seit acht Wochen arbeiten hier fast 20 Handwerker von sechs verschiedenen Firmen aus unterschiedlichen Gewerken beinahe durchgehend an einem Mehrfamilienhaus.
„Wir haben hier nur zu Weihnachten und zu Silvester mal eine kurze Pause eingelegt“, freut sich Hassib Jendoubi. Der 38-Jährige und sein Kollege Jörg Glanzow von der Lübecker Zimmerei Groth und Schramm arbeiten gemeinsam an der Fassade des Hauses. Über Glanzow hat Jendoubi schon von ganz anderen Zeiten gehört.
„In einigen Jahren mit kalten und feuchten Wintern konnten wir so gut wie gar nicht raus und arbeiten“, berichtet der 49-jährige Zimmerer Glanzow. Seit über 20 Jahren ist er schon auf dem Bau tätig und hat so einiges miterlebt. Nicht selten war für ihn wegen des Wetters im Winter Kurzarbeit angesagt. „Das war schon manchmal nicht leicht“, sagt Glanzow. „Gekürzter Lohn und nichts zu tun: Da fühlt man sich nicht wirklich wohl in seiner Haut.“ Davon weiß auch Kollege Reiner Kiel ein Lied zu singen. „Kurzarbeit ist einfach nix“, bringt es der 54-Jährige auf den Punkt. Wenn der erfahrene Zimmerer nicht arbeiten kann, ist er unzufrieden.
Um so besser ist die Stimmung bei den Handwerkern in diesem Jahr. Allein von dem Dach in der Stülpnagelstraße aus lassen sich drei weitere Baustellen erkennen. Dank des relativ trockenen und milden Winters herrscht vielerorts geschäftiges Treiben und reger Betrieb. „Wir sind einfach froh, dass wir durchgehend arbeiten können“, sagt Zimmerer Glanzow. Wenn es nach ihm ginge, könnte jeder Winter so sein.
Ob Dacharbeiten, Innenausbauten oder Fassadendämmungen – kaum eine Tätigkeit, die nicht möglich wäre bei dem zuletzt so milden Wetter. „Das habe ich wirklich lange nicht mehr erlebt“, berichtet Carsten Groth, Obermeister der Bauinnung und selbst als Zimmerer auf der Baustelle unterwegs. „Kein Schnee, wenig Regen und kaum Temperaturen unter null Grad: beste Bedingungen für uns Handwerker hier draußen“, freut sich Groth.
Die Hälfte der Bauarbeiten an dem Haus in der Stülpnagelstraße sind bereits abgeschlossen. Wenn das Wetter weiterhin so gut mitspielt, sind alle Arbeiten in etwa acht Wochen erledigt. In nur knapp fünf Monaten haben die Handwerker dann eine neue Etage auf das Gebäude gezogen, das Dach daraufgesetzt, sämtliche Innenarbeiten abgeschlossen und das Haus mit einer neuen Dämmung energetisch saniert. „Das wäre absoluter Rekord für die Wintermonate“, erklärt Groth.
Und er ist zuversichtlich. Der Großteil der Außenarbeiten ist bereits abgeschlossen. „Und die Innenarbeiten können wir dann ja auch bei schlechterem Wetter erledigen“, sagt der Zimmerer.
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