Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Gesamtleistung der im Kreisgebiet arbeitenden Biogasanlagen um 64 Prozent, jetzt steht ein weiterer Sprung um plus 26 Prozent bevor. Die damit einher gehende Ausdehnung der Maisanbaufläche wird allerdings mit Sorge gesehen und führt nun sogar zu einer Kontroverse unter Umweltschützern.
Die allerneueste Bestandsaufnahme zur Zahl der Biogasanlagen und ihrer Leistung stammt aus der Kreistagsfraktion der Grünen. Mit Hilfe von Unterlagen aus der Kreisverwaltung und einer umfangreichen eigenen Recherche hat der Abgeordnete Klaus Tormählen aus Börnsen eine Liste mit fast drei Dutzend Biogasprojekten aus dem ganzen Kreisgebiet zusammengestellt. Danach hatten diese Anlagen bis Ende 2010 eine Gesamtleistung von 6,1 Megawatt. Im vergangenen Jahr seien 3,9 Megawatt dazugekommen. Demnächst soll die Leistung unter anderem durch die Energieproduktion der Firma ATR Landhandel in Ratzeburg um weitere 2,6 Megawatt ansteigen.
Nach Tormählens Berechnungen benötigen die vorhandenen Biogasanlagen für ihre Energieproduktion eine geschätzte Maisanbaufläche von 3000 Hektar. Das entspreche gut fünf Prozent der lauenburgischen Gesamtackerfläche von 57 000 Hektar. Unter Berücksichtung der demnächst in Betrieb gehenden neuen Anlagen wird sich laut Tormählen der Flächenanteil für den Energiemais auf knapp sieben Prozent erhöhen. „Mit diesem Anteil können wir auch für die Zukunft keine auffällige Dominanz in der Kulturlandschaft erkennen“, argumentieren die Grünen, die den Anbau von Futtermais in diese Berechnungen nicht einbezogen haben. Nach ihrer Ansicht ist es außerdem nicht korrekt, von „einer stark pestizidbelasteten Produktionsweise“ beim Anbau von Energiemais zu sprechen: „Die betroffenen Landwirte sagen uns, dass sie beim Maisanbau erheblich weniger spritzen müssen als beim herkömmlichen Getreide- oder Kartoffelanbau.“ Problematisch seien großflächige Maisfelder aber trotzdem. Die Land- und Energiewirte müssten sich der Herausforderung stellen, neue Kulturen und neue Fruchtfolgen als Alternative für den ertragreichen Mais für ihre Ackerflächen zu entwickeln.
Konfrontiert sieht sich die grüne Kreistagsfraktion jetzt mit einer kritischen Einschätzung aus den Reihen der lauenburgischen Umweltschützer. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bei dem Tormählen selber aktiv ist, bezeichnet die Biogasproduktion als „gefährlichen Irrweg“. Vorstandsmitglied Dr. Heinz Klöser erinnert an die Herkunft der Maispflanze aus den amerikanischen Subtropen. Sie könne bei uns nur mit hohem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden erfolgreich angebaut werden, was mit hohen Belastungen der Umwelt einher gehe.
Klöser räumt ein, dass anfangs auch der BUND die landwirtschaftliche Biogasproduktion begrüßt habe: „Inzwischen hat sich die Meinung jedoch geändert, denn die Stickstoffschwemme in unserer Landwirtschaft wurde keineswegs eingedämmt; sie schwillt durch den Anbau so genannten Energiepflanzen – zuvorderst Mais – sogar an, mit allen negativen Folgen.“ Darüber hinaus würden für den Maisanbau wieder Flächen genutzt, die zuletzt brach gelegen und sich zu hochwertigen Lebensräumen entwickelt hätten.
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