Bürgermeister Klaus Reise ist besorgt über die aktuellen Ereignisse. „Ich hätte eigentlich gedacht, dass es den Tätern irgendwann zu heiß wird, immer im gleichen Ort zu agieren – aber sie kommen immer wieder“, sagt er schockiert. Besonders beunruhige ihn, dass die Einbrecher auch tagsüber zuschlagen – in stark bewohnten Gebieten. In fünf Wohnhäuser sowie das Kur- und das Rathaus sind die Diebe zwischen dem 8. und dem 23. Januar eingebrochen – an einem Tag schlugen sie gleich dreimal zu. Die Polizei kann bisher nicht mit Sicherheit sagen, ob ein Zusammenhang zwischen den Taten besteht. „Ausschließen können wir das nicht“, so Sprecher Stefan Muhtz.
Entwendet wurden unter anderem Wertgegenstände wie Schmuck, Bargeld und hochwertige Technik wie Laptops. Der Schock sitze noch immer tief, sagte eines der Einbruchsopfer, das namentlich nicht genannt werden möchte, den LN. Viel schlimmer als die entstandenen Schäden sei das Bewusstsein, dass Fremde ins eigene Haus eingedrungen sind: „Das ist wirklich ein total unangenehmes Gefühl.“
Auch im Rathaus hätten die Diebe fast alles durchwühlt, berichtet Bürgermeister Reise, alle verschlossenen Schubladen und Schränke aufgebrochen. Auch die Tür eines Panzerschranks mit fast zehn Zentimeter dicken Wänden haben die Unbekannten gewaltsam aufgehebelt. Darin waren Schrotflinten und Munition der Gilde gelagert. Inzwischen wurden diese an einen anderen Ort gebracht, wo sie sicher verwahrt werden.
Das Kuriose: Beim Einbruch ins Rathaus „haben die Täter so gut wie nichts mitgenommen“, erzählt der Bürgermeister, „weder die Gilde-Waffen, noch Technik, noch Akten.“ Auch privates Geld, das einige Angestellte in Schreibtisch- Schubladen verstaut gehabt hätten, sei liegen gelassen worden.
Im gesamten nördlichen Ostholstein ist die Zahl der Einbruchsdiebstähle laut Polizei „in der dunklen Jahreszeit leicht gestiegen“. Mit bisher sieben Einbrüchen im aktuellen Jahr verzeichnet Großenbrode im Vergleich zu den vergangenen Wintern die weit höchste Steigerung: Im Januar und im Dezember 2010 wurden nur jeweils ein Einbruch im Ort registriert, im gleichen Zeitraum 2011 gab es keinen einzigen. Viele Bewohner hätten inzwischen Angst, sagt Reise, der auch selbst bereits Konsequenzen gezogen hat: An seinem eigenen Haus ließ er eine Alarmanlage installieren, die Sicherheitsmaßnahmen am Rathaus sollen künftig ebenfalls verstärkt werden. Auch die Straßenbeleuchtung will der Verwaltungs-Chef ab sofort die ganze Nacht über brennen lassen, um Einbrecher „hoffentlich ein wenig abzuschrecken“.
Das sei sicherlich eine gute Maßnahme, sind sich die Bewohner von Großenbrode einig. „Es ist auf jeden Fall besser, wenn die Straßen nachts beleuchtet sind“, sagen zum Beispiel Marion und Volker Brandt (beide 53). Sie hätten auch an ihrem eigenen Haus schon seit geraumer Zeit einen Bewegungsmelder installiert, um es Unbefugten zu erschweren, heimlich das Grundstück zu betreten. Das gebe einem doch ein Gefühl von mehr Sicherheit, bestätigt Bürgermeister Reise. Er habe festgestellt, dass viele Bürger mittlerweile auch im eigenen Haus abends länger und in mehreren Räumen Licht brennen ließen.
Die Verunsicherung im Ort ist dennoch weiterhin groß. Was hier gerade passiere, sei „einfach schrecklich“, sagt eine ältere Frau, die lieber ungenannt bleiben möchte. Sie spricht das aus, was wohl viele Menschen in Großenbrode zurzeit denken: „Ich habe Angst, dass ich die Nächste sein könnte, bei der eingebrochen wird.“
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