Den Abend hatte sich eine 29-jährige Reinfelderin ganz anders vorgestellt. Als die junge Frau am Dienstagabend in ihre Dachgeschoss- Wohnung am Kalkgraben zurückgekehrt war, stellte sie fest, dass aus der Wasserleitung kein Tropfen mehr kam. Kurze Zeit später stand des Wohnhaus in hellen Flammen, weil – so die Ermittlungen der Kripo – ein 45 Jahre alter Mann den Versuch unternommen hatte, die eingefrorene Leitung mit einem Heißluftföhn aufzutauen. Dabei habe sich Dämmmaterial entzündet. Der Schaden wird auf rund 150 000 Euro geschätzt.
Die 29-Jährige wollte nach LN- Informationen ihre Waschmaschine anstellen. Dabei bemerkte die Reinfelderin jedoch, dass die Wasserleitung offensichtlich eingefroren war, und wandte sich deshalb an ihre Eltern, die in einem Einfamilienhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnen. Der Vater habe der 29-Jährigen den Rat gegeben, sich an die Hauseigentümerin zu wenden. Die 73-Jährige beauftragte anschließend, so die Kripo, einen 45 Jahre alten Mann, der für die Hauseigentümerin bereits seit längerem als Handwerker tätig sei, sich um das Problem zu kümmern.
Kurze Zeit später versuchte der Reinfelder, die eingefrorene Wasserleitung mit einem Föhn wieder aufzutauen, teilte die Kripo mit. Diese Leitung habe sich in der Nähe von Dämm-Material in einer Zwischenwand befunden, das sich wegen der Hitze-Entwicklung dann entzündet habe. Der Mann habe zuvor einige Löcher in die Wand gebohrt, um besser an die Leitung heranzukommen, die in dem Treppenaufgang zur Küche der 29-jährigen Mieterin installiert war, erklärte Sonja Kurz, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg. Zunächst habe es nur einen Schwelbrand gegeben, der sich wegen eines gewaltigen Sogs in Richtung Spitzboden zu einem riesigen Flammenmeer entwickelte. Während das Obergeschoss völlig ausbrannte, konnten die Helfer zumindest ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Häuser verhindern.
Die 29-Jährige bekam von dem Versuch, die Wasserleitung wieder aufzutauen, nichts mit. Sie saß zu dem Zeitpunkt an ihrem Schreibtisch und konnte sich dann nur mit ihren Laptop, ihrem Handy und ein paar Kleidungsstücken aus dem brennenden Haus retten. Sie wurde nicht verletzt.
Ob das Erdgeschoss wieder genutzt werden kann, ist zurzeit unklar. Wie zu erfahren war, sind die bisherigen Mieter Ende des vergangenen Jahres ausgezogen. Diese Wohnräume sollten jetzt neu vermietet werden, und der 45-Jährige war in den vergangenen Tagen mit der Renovierung der Erdgeschoss- Wohnung beschäftigt. Die missglückte Auftau-Aktion kann für den 45-Jährigen Reinfelder noch schwerwiegende Folgen haben. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der fahrlässigen schweren Brandstiftung ermittelt.
Auch anderen Orten sind Versuche völlig missglückt, eingefrorene Wasserleitungen wieder aufzutauen. Am Dienstag geriet in Dahme im Kreis Ostholstein der Dachstuhl eines Einfamilienhauses in Brand. Der Schwelbrand soll bei Lötarbeiten zum Auftauen von eingefrorenen Wasserleitungen entstanden sein. Tragisch endete in Barmstedt im Kreis Pinneberg der Versuch einer Familie, eine Wasserleitung mit einem gasbetriebenen Heizgerät aufzutauen. Dabei, so die Ermittlungen, kam es zu einer gewaltigen Verpuffung, die das Einfamilienhaus völlig zerstörte. Ein Großvater und seine anderthalbjährige Enkelin wurden schwer verletzt. Ein vier Jahre altes Mädchen erlitt leichte Verletzungen.
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